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192619321938
  1. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 150

    ISO Ben-Chorin Als die Unruhe ihren Höhepunkt erreicht hatte, höh Hassan effenili die Hand, wischte sich den Sehweiß von der Stirne und sagte: »Wie Ihr wißt, meine Herren, begraben wir Mohammedaner unsre Toten mit der Richtung nach Mekka un…

  2. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 151

    EIien werden im Himmel geschlossen 151 Ihnen alles erzählen. Hübsch der Reihe nach. Besser, ich erzähle es Ihnen heute selbst, als Sie hören es morgen im Cafe von einem anderen. Man muß Humor haben. Also hören Sie meine eigene Humoreske, in…

  3. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 152

    152 B e 11 - C h o r i n Umsonst. Ein Einwanderungszertifikat war für sie, die weder Kapital noch landwirtschaftliche Kenntnisse hesaß, nicht zu erlangen, und ein Touristenvisum gab ihr der Konsul auch nicht. Sie wissen, wie streng das mit …

  4. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 153

    E Ii e n werden i m Himmel g e s e Ii 1 o s s e n 153 Hier lassen wir uns sofort wieder scheiden. Deine Braut verliert damit aber ihre neue Nationalität nicht. Kein Mensch kann sie ausweisen und sobald du deine Aufenthalts- Bewilligung hast…

  5. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 154

    154 Ben-Chorin was meinen Sie, ich sollte mich nicht aufgeregt haben. ,Das ist niederträchtig', brülle ich, ,Sander, Manja, ihr habt also ernst gemacht?' Sie nicken beide, wie unartige, schuldbewußte Kinder. Endlich meint Manja kleinlaut: ,…

  6. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 155

    155 Esriel Carlebach: Vollständige Historie der ehrenwerten Stadt Chelm VORBEMERKUNG DES SAMMLERS. Daß auch wir unser Schilda mit seinen Schildbürgergeschichtchen haben, scheint mir mehr als unser Recht; es scheint mir — unsere Pflicht. Den…

  7. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 156

    156 Esriel Carlebach In der Aneinanderreihung dieser Fabeln ohne Moral wird also, das möchte ich betonen, nur die eine Hälfte der Funktion, die Chelm im jüdischen Volksmund ausübt, deutlich. Da die andere Hälfte der Aufzeichnung sich entzie…

  8. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 157

    C hei in er Geschichten 157 Teller legte. Denn es pflegten, sobald man das Essen auftrug, aus allen Winkeln die Mäuse heranzukommen und mithalten zu wollen. Sodaß die Chelmer in der einen Hand den Löffel hielten und in der anderen die Rute,…

  9. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 158

    158 Esriel CarlehacIi auf ihren vier Füßchen stehen, wie je; also daß ganz Chelm sah, es sei nicht nur ein Dämon, sondern noch — ein Verhängnis. Da, wenn man sie von einem Dach herunterwirft, sie einfach davonspaziert, muß man sie festbinde…

  10. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 159

    Cheim er Geschichten 159 gehabt hatte, zu klein und zu kalt gewesen war, überlegte man, wie bei der neuen all diese Fehler von vornherein zu vermeiden seien. Und im Rate der Weisen wurde bestimmt, daß man, damit die Schul im Laufe der Jahre…

  11. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 160

    160 Es riet Carlebach HAT DER CHELMER RABBI EINEN KOPF GEHABT? Als man die Schul zu Gottes Lob und Preis fertig gebaut hatte und feierlich einweihen wollte und in großer Schar auf sie zuzog, da bemerkte man, daß sie keine Türe hatte. In den…

  12. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 161

    Chelmer Geschichten 161 Denn der Rabbi sei den ganzen Tag ganz und gar in den Betmantel gehüllt dagesessen. Man fragte den Bader, aber auch der wußte nichts. Der Rabbi sei immer auf die oberste Bank im Schwitjbad gekrochen, wo der Dampf so …

  13. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 162

    …schickten den Bethaus- Vorsteher aus, für die ganze Stadt Weisheit einkaufen. Wo kann man die bekommen? — Natürlich: in Wilna. In Wilna angekommen, ging also der Chelmer Vorsteher in den großen Schulhof, setjte sich in der Garn-Schul beim Ofen n…

  14. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 163

    C heim er Geschichten 163 CHELM KAUFT SICH WAHRHEIT. Als Chelm sah, daß die in Wilna gekaufte Weisheit nicht für alle Geschlechter zulangen würde und als trotjdem der Hunger so groß war wie zuvor, grübelte man sieben Tage und sieben Nachte,…

  15. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 164

    164 Esriel Carlebach man sie aber wiederum glatt, so konnte man, was noch schlimmer war, ausrutschen und sich das Genick brechen. Der berühmte Gemeinderat in der berühmten Sieben- Tage-Grübelei fand schließlich den einzig möglichen Ausweg: …

  16. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 165

    Clielmer Geschichten 165 »Höre mal, du, mir sind meine Zigaretten ausgegangen. Ich kann mir keine neuen holen; denn ich darf mich doch von hier nicht wegrühren. Also sei so gut und geh du und hring sie mir.« Kaum war der Wächter fort, spran…

  17. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 166

    166 Esriel Carlel>ach dank der Klugheit des Rabbi entschieden, der anriet, ein ehernes Geset} für alle Zeiten ins Gemeindebuch einzutragen. Dies ist das Gesetj: »Die Spritje gehört dem Schammes. Der Schamines hat das Recht, darin all seine …

  18. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 167

    Chelmcr Geschichten 167 Sie erzählten, wie sie in den Kasten gekommen waren und die ganze Gemeinde sprach ein Lohgehet dafür, dal! das Verhängnis keine scldimmere Gestalt gehabt hatte. Aher um für alle Zukunft ähnliches Unheil zu vermeiden,…

  19. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 168

    168 Esriel Carlebach Am nächsten Tag kam der Wächter und jammerte, nun wo er das haarige Fell nach draußen trage, hielten ihn die Hunde für einen Wolf und bellten ihn an. Da setjte man den Wächter mit dem umgedrehten Pelz zur Sicherheit auf…

  20. 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 169

    Chelmcr Geschichten 169 »Der Arzt hat dem Rabbi Aufenthalt draußen auf dem Dorf, bei einem Bauern, verordnet und frische Luft und Nahrung.« Da zerbrach ganz Chelm sich den Kopf, was das wohl für eine Krankheit sein könne, an der der Rabbi l…