Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 165)
- Language
- German
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C heim er Geschichten 163 CHELM KAUFT SICH WAHRHEIT. Als Chelm sah, daß die in Wilna gekaufte Weisheit nicht für alle Geschlechter zulangen würde und als trotjdem der Hunger so groß war wie zuvor, grübelte man sieben Tage und sieben Nachte, was nun wohl noch der Stadt fehlen könne und man fand: es fehle die Wahrheit. Also setjte man einen ehrwürdigen Bürger auf eine Fuhre und schickte ihn nach Brisk, Wahrheit für die ganze Gemeinde einkaufen. Das Glück war aber jenem Chelmer Abgesandten hold und schon auf der ersten Station, beim ersten jüdischen Gastwirt, dem er von seiner Sendung erzählte, konnte er für billiges Geld ein ganzes Faß Wahrheit erstehen. Der Gastwirt, der wußte, mit wem er es zu tun hatte, füllte einfach ein Faß mit Jauche ab und erklärte dem Chelmer, — da drin, vernagelt und versiegelt, sei die Wahrheit. Chelm nahm den Abgesandten, der so rasch seine Mission erfüllt hatte, mit Pauken und Trompeten auf. Man rollte beglückt das große Faß auf den Schulhof und öffnete es, die Wahrheit unter die ganze Gemeinde gleichmäßig zu verteilen. Aber wie man den Deckel gehoben und der erste Chelmer seine Nase ins Faß gesteckt hatte, fuhr er erschreckt hoch und schrie: »Es stinkt«. Der zweite Chelmer kam heran, roch und bestätigte: »Das ist wahr«. Und auch der dritte fand überrascht: »Die reine Wahrheit! Es stinkt.« Und auch der vierte und fünfte: »So wahr wie die Thora! Es stinkt!« Seither glauben die Chelmer: erstens daß sie die Wahrheit haben und zweitens, daß Wahrheit — stinkt. DASSCHWITZBADWIRDGEWENDET. Von da an ging es allmählich bergauf mit der Stadt Chelm und die Gemeinde kam die Lust an, sich ein neues Schwitjbad zuzulegen. Es war nur die Frage, wie man da die Dielen legen solle. Ließ man die groben Bretter ungehobelt, so konnte man sich, Gott behüte, einen Span in den Fuß jagen, hobelte 11*