Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
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EIien werden im Himmel geschlossen 151 Ihnen alles erzählen. Hübsch der Reihe nach. Besser, ich erzähle es Ihnen heute selbst, als Sie hören es morgen im Cafe von einem anderen. Man muß Humor haben. Also hören Sie meine eigene Humoreske, in der ich die Hauptrolle spiele. — Sie wissen, ich bin vor einem Jahr ins Land gekommen. Damals, als der Hauptstrom aus Deutschland einsetjte. Ich wußte nicht recht, was ich beginnen sollte. Geld hatte ich nicht, Hebräisch konnte ich außer den zehn Wörtern, die jeder Berliner weiß, auch nicht, und von Handwerk und Landarbeit wußte ich nur, daß ich nichts davon verstand. Was also tun? Ich sitje in meiner Pension und lerne das hebräische Lexikon auswendig und tippe auf meiner Maschine Briefe an Bundesbrüder und andere Freunde von Dan bis Beer Schewa. Alles umsonst. Meiner Braut, was sage ich, meinem gewesenen Fräulein Braut, schreibe ich handschriftlich und mit geheucheltem Gleichmut: Es wird alles gut. Bald werde ich eine Stelle haben und Du kommst nach, wir werden heiraten, wir werden ein eigenes Häuschen in Haifa besitzen, und weiß der Kuckuck, was ich ihr noch alles geschrieben habe, nur damit sie nicht ungeduldig wird. Ich sitje also in meiner Pension und warte. Eines Tages kommt aufgeregt wie immer Sander daher. Sie kennen ihn doch, Sander, der für den »Dawar« schreibt. ,Simonsohn', brüllt er, daß ich fast vom Stuhle falle, ,ich habe was für dich. Du bist doch Ingenieur, Elektrofachmann!' — ,Stimmt, stimmt auffallend.' — ,Also los', schreit Sender, ,komm mit, bei Ruthenberg ist eine Stelle für dich vakant.' — Sie können sich denken, wie ich gerannt bin. Gerannt ist kein Aiusdruek. Ein Taxi habe ich genommen. Sander hineingepackt und mich daneben — ab nach Kassel. Eigentlich nach Haifa. Während der Fahrt habe ich Sander erzählt, daß ich glücklich wäre, wenn alles klappen würde, meine Braut ließe ich nachkommen, wir würden heiraten, auch von dem eigenen Häuschen habe ich ihm erzählt. Sander hat alles angehört, dann hat er nur gemeint: Zuerst mußt du die Stelle haben. Ich bekam sie. Ich wurde vertraglich engagierter Ingenieur, hatte ein anständiges Gehalt und nun wollte ich meine Braut ans Deutschland kommen lassen. Ich wollte —• aber der Mensch denkt und der High Comissionär sperrt die Emigration. Ich war außer mir. Meine Braut schickte mir Briefe, die mehr mit Tränen als mit Tinte geschrieben waren, ich rannte ajlen Ämtern die Türen ein.