Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 168)
- Language
- German
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166 Esriel Carlel>ach dank der Klugheit des Rabbi entschieden, der anriet, ein ehernes Geset} für alle Zeiten ins Gemeindebuch einzutragen. Dies ist das Gesetj: »Die Spritje gehört dem Schammes. Der Schamines hat das Recht, darin all seine Kostbarkeiten aufzubewahren. Er muß nur schwören, daß er sie jeweils drei Tage vor einem Brande herausnimmt.« DIE VIER EHERNEN GESETZE. Zu jener Zeit gelüstete es einen Chehner Melamed (Kleinkinder-Lehrer) nach Käsekuchen am Schawuoth. Und wenn es ihm auch in diesem Jahr an den nötigen Barmitteln dazu fehlte, so wollte er ihn doch wenigstens im kommenden Jahr haben. Und er verpflichtete sich und seine Frau, daß sie jeder jeden Freitag vor dem Lichtzündcii eine Kopeke in ihre große Truhe würfen. Übers Jahr würde es dann zum Käsekuchen langen .. . Aber der Melamed dachte sich, daß es wohl auch langen würde, wenn nur seine Frau die Kopeke absparte und genau dasselbe dachte umgekehrt auch seine Frau und wie sie übers Jahr die Truhe öffneten, war sie vollkommen leer und beide gerieten einander in die Haare, jeder beschuldigte den anderen, ihn ein ganzes Jahr lang betrogen zu haben und im Streit fielen sie beide in die riesige Truhe und der schwere Deckel klappte über ihnen zu und da sie (Irinnen nun erst recht anfingen, einander zu kneifen und zu würgen, bewegte sich die Truhe vom Ort und da die Tür offen stand und das Haus des Melamed keine Schwelle hatte, fuhr die Truhe ho auf die Straße und da der Melamed in der Schulgasse wohnte und die Schulgasse bekanntlich bergab geht, fuhr die Truhe in die Schul hinein, mitten unter die Betenden. Die erinnerten sich sofort des bösen Kat^cndämons, wie da die geschlossene Truhe von einer Wand zur anderen im Bethaus herumfuhr. Sie entflohen durch die Fenster und versammelten sich draußen und beratschlagten, was da zu tun sei. Erst bliesen sie Scbofar, aber wie auch das den Geist nicht zur Ruhe brachte, kamen sie überein, einer müsse die Truhe öffnen. Aber keiner wollte, alle hatten Angst. Da warfen sie Lose und der göttliche Ratschluß bestimmte den Vorsteher. Der fügte sich und öffnete. Und der Truhe entstiegen der Melamed und seine Frau.