Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 166)
- Language
- German
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164 Esriel Carlebach man sie aber wiederum glatt, so konnte man, was noch schlimmer war, ausrutschen und sich das Genick brechen. Der berühmte Gemeinderat in der berühmten Sieben- Tage-Grübelei fand schließlich den einzig möglichen Ausweg: die Bretter wurden auf der einen Seite gehobelt und auf der anderen roh gelassen und, um alle Gefahren zu vermeiden, mit der gehobelten Seite nach unten in die Diele gefügt. Als man schon mitten in der Bau-Arbeit begriffen war, fehlte aber doch das nötige Geld, um ein ganz und gar neues Bad aufzurichten. Man mußte die alten Materialien des alten Bades mit verwenden. Aber was tut man, wenn man beispielsweise nur einen alten Bock besitjt und es doch so erscheinen lassen will als wäre er ein neuer? — Die Schneider in der Stadt sagten: »Sehr einfach, man wendet ihn.« Und also wendeten die Chelmer ihr Bad. Mit den Schwitjbänken nach draußen und den Häuserwänden nach drinnen. DAS CHELMEB GEFÄNGNIS. Wie Chelm so mit einem komfortablen Bad gesegnet war, beschloß es, nun auch ein städtisches Gefängnis zu bauen. In guten Zeiten war das nicht notwendig gewesen. Da hatte man dem bestraften Schwerenöter nur befohlen, da und dort auf dem Markt sitjen zu bleiben, und keinem Chelmer wäre es eingefallen, sich vom Ort zu rühren. Als aber Fremde in die Stadt zu kommen begannen, mußte man es erleben, daß die einfach, obwohl man sie ausdrücklich gefangen gesegt hatte, aufstanden und davonliefen. So placierte man sie in eine Hütte, bohrte ein Loch durch die Wand, hieß sie den Arm durchstecken und gab ihnen draußen einen Talmudband in die Hand. Einen Talmud kann man doch nicht fallen lassen und also blieben die Sünder gefesselt sitjen. Da sich nun aber letzthin sogar Leute gefunden hatten, die auch ein Heiliges Buch fallen lassen konnten, um davonzulaufen, mußte Chelm ein richtiges Gefängnis mit einem richtigen Wächter bauen. Bald nachdem es fertig war, wurde auch der erste Missetäter gefangen und festgesetjt. Und der Wächter bewachte ihn. Gegen Mittag des ersten Tages tippte der Arrestant dem Wächter auf die Schulter: