Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 153 (sequence 155)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4919024-4919797--0730-4919952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

E Ii e n werden i m Himmel g e s e Ii 1 o s s e n 153 Hier lassen wir uns sofort wieder scheiden. Deine Braut verliert damit aber ihre neue Nationalität nicht. Kein Mensch kann sie ausweisen und sobald du deine Aufenthalts- Bewilligung hast, heiratet ihr.' Sander führte einen Indianertanz vor Vergnügen auf. Zwischenhinein raunte er mir immer wieder vertraulich zu ,aber Diskretion, mein lieber Simonsohn, Diskretion.' ,Du kannst dich darauf verlassen, Sander.' Ich fiel ihm um den Hals. Daß ich ihn nicht abküßte war ein Wunder. Und dann war es so weit. Sander reiste. Ich hatte meine Braut brieflich instruiert. Anfangs weigerte sie sie», auf unseren Plan einzugehen, aber nachdem ich ihr versichert hatte, daß Sander der beste und anständigste, der zuverlässigste und gentlemanlikeste Mensch von der Welt sei, willigte sie schließlich ein. Sander und meine Braut ließen sich in Tricst trauen. Es verlief alles programmäßig. Ich fieberte dem Tag ihrer Ankunft entgegen. Von Tag zu Tag wartete ich auf das Telegramm, das mir dieselbe ankündigen sollte. Allein es kam nicht. Nun, dachte ich, meine Braut wird mich überraschen wollen. Wahrhaftig, sie überraschte mich. Plötjlich war sie da. Mit Sander. Ich hatte nicht gewußt, mit welchem Schiff sie gekommen waren. ,Manja!' schrie ich, als sie plötjlich eines Abends unter meiner Tür stand. ,Mädel, da bist du ja!' — und ich küßte sie ab, noch und noch. Der Empfang, sie können sich denken, eine Herzlichkeit! Auf einmal kam Sander zum Vorschein. Das heißt, er war schon vorher da gewesen, aber ich hatte ihn nicht beobachtet. ,Schalorn, Sander!' schreie ich und strecke ihm die Hand hin, ,das hast du fein gemacht!' Er lächelt verlegen. Nimmt die Hand nicht, drückt sich herum. Endlich sagt er: ,Es freut mich, daß du meine Frau so herzlich begrüßt hast, aber jetjt reicht's!' ,Wie', frage ich, ,deine Frau. Ach, ja. Du hast dich in deine Bolle fabelhaft eingelebt, junger Ehemann. Könnte dir so passen', bemerke ich noch scherzhaft, ,aber morgen geht's zum Babbiner wegen der Scheidung.' ,Keineswegs', sagt Sander, so ruhig, wie ein Engländer. Er hat etwas gelernt von den Tommys. ,Wa — as sagst du da?' Manja heult ein bißchen. ,Beg' dich nicht auf, Bobert', sie tätschelt mir die Wange. Audi Sander begütigt. ,Beg' dich nicht auf, Simonsohn.' Aber,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.