Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 154)
- Language
- German
- Belongs to
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152 B e 11 - C h o r i n Umsonst. Ein Einwanderungszertifikat war für sie, die weder Kapital noch landwirtschaftliche Kenntnisse hesaß, nicht zu erlangen, und ein Touristenvisum gab ihr der Konsul auch nicht. Sie wissen, wie streng das mit den Touristenvisa gehandhabt wurde. Man mußte Kaution stellen, mußte ehrenwörtlich versprechen, wieder zu kommen, und selbst, wenn dies alles geschehen wäre, hätte sie noch immer kein Visum bekommen, denn meine Braut — ich sage schon wieder meine Braut — denn meine ehemalige Braut war Polin und unterstand daher verschärften Bedingungen. Zu alledem hatte ich selbst noch immer keine definitive Aufenthaltsbewilligung. Es nützte also garnichts, wenn wir hier geheiratet hätten, denn wer hätte uns garantiert, daß wir nicht beide eines schönen Tages über die Grenze abgeschoben worden wären. Ich war niedergeschlagener als in den Tagen, in welchen ich meine Zeit mit Bittbriefschreiben und Hebräischlernen verbracht hatte. In meiner Not rief ich Sander an. ,Sander', klage ich, ,du bist ein gescheiter Kerl. Du hast mir schon einmal geholfen. Vielleicht kannst du mir auch jetjt raten.' ,Weißt du was', sagt Sander, .komm herüber zu mir in die Redaktion. Ich habe eine halbe Stunde Zeit für dich. Wenn ich kann, werde ich dir einen Rat geben.' Ich komme zu Sander. Er thront hinter seinem Schreibtisch und hört mich ruhig an. ,Ja', sagt er, wie ich zu Ende bin, ,da könnt man etwas daraus machen für die morgige Nummer. Zum Beispiel so: Wehschrei eines verhinderten Bräutigams gegen die Emigrationssperre.' ,Ist das alles?' frage ich ein wenig enttäuscht, ,was du mir zu sagen hast?' Da lenkte er ein. Er ging mit Riesenschritten in seiner Redaktionsstube auf und nieder. Endlich blieb er stehen. ,Ich habe eine Idee', rief er plötjlich aus und wurde ganz rot im Gesicht vor Begeisterung. ,Ich bin doch Junggeselle', fuhr er fort. ,Ja, das bist du, und weiter!' ,Paß mal auf, sagte Sander, ,ich werde im nächsten Monat eine Informationsreise für die Zeitung nach Europa machen. In Triest treffe ich deine Braut. Wir lassen uns pro forma trauen. Ich bin palästinensischer Staatsbürger. Sie wjrd es auch, Wir fahren zusammen zurück nach Erez.