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Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 160

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 160 (sequence 162)
Language
German
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160 Es riet Carlebach HAT DER CHELMER RABBI EINEN KOPF GEHABT? Als man die Schul zu Gottes Lob und Preis fertig gebaut hatte und feierlich einweihen wollte und in großer Schar auf sie zuzog, da bemerkte man, daß sie keine Türe hatte. In den Plänen, nach denen Chelm gebaut hatte, war immer nur von den Wänden die Rede und so hatte man vergessen, einen Eingang zu machen. Nun aber wußte man nicht, wo die Ost- und wo die Westseite des Gebäudes war und wo füglich eine Tür noch eingebaut werden durfte und wo das, der Heiligen Lade wegen, verboten war. Also beschloß man, von unter der Erde her in die Schul zu gelangen und zu sehen, wo inwendig Osten und wo Westen war. Und da es sich um eine religiöse Entscheidung handelte, konnte natürlich nur der Rabbi mit der Expedition betraut werden. Man grub also einen Gang unter die Schid, bohrte von ihm aus ein Loch in den Fußboden und schickte den Rabbi, von dorther sich umgucken, nach welcher Sonnenrichtung das Haus gebaut war. Der Rabbi brachte auch seinen Kopf durch das Loch und wendete ihn nach rechts und nach links, aber wie er ihn wieder herausziehen wollte, da war er mit dem Kinn auf der Schmalseite des Loches und konnte nicht hindurchkommen. Er schrie, mit dem Kopf im Fußboden steckend, mörderlich um Hilfe und in Chelm gürteten alsogleich die stärksten Männer ihre Lenden und eilten an den Ort und begannen den Rabbi zu befreien, indem sie ihn mächtig an den Füßen zogen. So mächtig, daß sie ihm den Kopf abrissen. In der Stadt aber konnte man sich, als man den Rabbi aus dem unterirdischen Gang heraustrug, nicht erklären, wie es zu gegangen war, daß zwar der Rabbi selbst herauskam, sein Kopf aber nicht. Die Klügsten der Gemeinde berieten hin und her und fanden schließlich, daß wahrscheinlich der Rabbi gar keinen Kopf gehabt hatte. Allenfalls könne man darüber nicht endgültig befinden, bevor die Frage nicht gesondert geklärt war. Wer aber konnte wissen, ob der Rabbi einen Kopf gehabt hatte;' — Am ehesten sein ständiger Bediener, der Scham; mes. Aber der sagte, er könne nichts darüber beschwören.

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