Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1936-01-01 · 5696 (1935-1936) · p. Seite 165

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5696 (1935-1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 165 (sequence 167)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4919024-4919797--0742-4919964
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Clielmer Geschichten 165 »Höre mal, du, mir sind meine Zigaretten ausgegangen. Ich kann mir keine neuen holen; denn ich darf mich doch von hier nicht wegrühren. Also sei so gut und geh du und hring sie mir.« Kaum war der Wächter fort, sprang natürlich auch der Gefangene auf Nimmerwiedersehen davon. So beschloß der Gemeinderat, dem Wächter zu befehlen, daß er sich nie und unter keinen Umständen vom Gefängnis fortrühren dürfe. Und als deshalb beim nächsten Male ein Gefangener ihn wieder bat, ihm Zigaretten zu holen, sagte er: »Nein, ich weiß schon — du willst nur davonlaufen, sobald ich gegangen bin. Das gibt es nicht. Ich rühre mich nicht vom Ort. Wenn du Zigaretten haben willst, — hier, ich öffne dir die Tür, —■ da mußt du schon selber gehen und sie dir holen.« CHELMER FEUERWEHR. Als Chelm auch schon sein eigenes Gefängnis hatte, fehlte ihm, nach dem großen Brande, nur noch eine Sache, in Zukunft solche Katastrophen zu vermeiden: eine Feuerspritje. Und Chelm kaufte eine Feuerspritje. Und gab sie dem Schammes in Verwahrung. Und der Schammes sah, daß das Spritjenrohr ein ideales Versteck für die Dinge war, die die Jungen im Städtchen ihm sonst immer für ihren Unfug zu stehlen pflegten. Zum Beispiel: das Schofar für Rosch Haschana, die Pantoffeln für Jom Kippur, der Lulaw vom letjten Sukoth, Wachs für die Chanukkah-Kerzen und Meerrettich für Pessach. Einmal nun brennt es in Chelm, die Stadt holt triumphierend die Spritje und pumpt und pumpt und kein Wasser kommt heraus, sondern erst nach langen Anstrengungen das Schofar, der Lulaw, die Pantoffeln, der Wachs und der Meerrettich. Die jungen Chelmer wollten darauf dem Schammes die Spritje entziehen. Die alten aber erklärten, ein ersessenes Recht dürfe man nicht annullieren. Die Jungen verlangten, er solle dann wenigstens seine Kostbarkeiten nicht in der Spritje aufbewahren, aber die Alten fragten, wo er sie denn sonst aufbewahren solle. Der Streit darüber wurde sehr heftig und schließlich nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.