Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 163)
- Language
- German
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Chelmer Geschichten 161 Denn der Rabbi sei den ganzen Tag ganz und gar in den Betmantel gehüllt dagesessen. Man fragte den Bader, aber auch der wußte nichts. Der Rabbi sei immer auf die oberste Bank im Schwitjbad gekrochen, wo der Dampf so dicht ist, daß man nichts sehen kann. Man fragte die Frau des Rabbi, aber auch sie wußte nichts Bestimmtes. Denn es sei immer sehr spät in der Nacht und schon vollkommen dunkel gewesen, wenn der Rabbi aus dem Beth Hamidrasch nach Hause kam. Bis schließlich eine einfache Frau aus dem Volk die Stadt rettete. Sie schwor, sie habe erst vor wenigen Tagen dem Rabbi mit einem ihrer Anliegen in den Ohren gelegen, bis er schließlich ungeduldig wurde und sagte: — Laß mich in Ruh. Ich habe keinen Kopf für solche Sachen ... Da wurde es denn offenbar, daß der Chelmer Rabbi keinen Kopf gehabt hatte. Und also ist es auch von all seinen Nachfolgern offenbar geworden. WIE MAN SICH IN DEN HUNGERJAHREN ERNÄHREN WOLLTE. In jenen Jahren nach dem großen Brande, der alle Schätje von Chelm vernichtet hatte, herrschte großer Hunger in der Stadt. Und Chelm sann darauf, wie es sich eine dauernde gute Erwerbsquelle schaffen könne. Da aber nichts in und um Chelm war als Sonne und Mond am Himmel, so beschloß man, den Mond einzufangen und ihn in der Vorhalle der großen Schul aufzustellen. Ganz Israel werde dann, um den Neumondsegen zu sprechen, jeden Monat nach Chelm kommen müssen und wenn jeder Jude in der Welt dafür nur eine Kopeke an die Gemeindekasse zahlte, so hätte Chelm für alle Zeiten ausgesorgt. Wie aber fängt man den Mond? — Sehr einfach. Man stellt ein Faß mit Wasser auf den Markt und wie der Mond abends schüchtern hinter dem Berg sich hervorstiehlt und ins Faß hineinspaziert, — schlägt man rasch einen Deckel drüber und nagelt das Faß zu. Bei Neumond tat Chelm so. Dann wartete es vier Wochen lang, bis daß die Katastrophe in ganz Israel bemerkbar werde und man anfange, nach Chelm zu wallfahrten, um U