Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5696 (1935-1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 161)
- Language
- German
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Cheim er Geschichten 159 gehabt hatte, zu klein und zu kalt gewesen war, überlegte man, wie bei der neuen all diese Fehler von vornherein zu vermeiden seien. Und im Rate der Weisen wurde bestimmt, daß man, damit die Schul im Laufe der Jahre wachsen könne, die Balken nicht beschneiden, sondern über das Dach und an den vier Ecken herausragen lassen solle. Damit es ferner im Winter nicht zu kalt werde, solle man die Schul inwendig mit Watte auslegen. Es war ein Alter im Rate, der vorschlug, zu dem noch einen Ofen in die Schul zu bauen. Aber die Mehrheit der Gemeinde war dagegen, denn ein großer Ofen könne den Neid des Gutsherrn erwecken und er werde ihn slibitjcn. Nach langem Beraten aber wußte das kluge Chelm sich auch vor dieser Gefahr zu schütten und man hat auf dem riesigen Kachelofen in der alten Schul die weltberühmte Inschrift angebracht: »Dieser Ofen gehört dem großen Beth Hamidrasch der Heiligen Gemeinde Chelm und Diebstahl ist nach Thora-Gesetj verboten.« Als so die Pläne weise ausgearbeitet waren, ging ganz Chelm in den Wald am Bergesrücken, Bäume für den Schulbau zu fällen. Jedesmal, wenn sie einen großen Stamm umgelegt hatten, luden sie ihn sich auf die Schulter und trugen ihn sachte den steilen Bergweg hinunter. Dabei kamen viele Chelmer zu Fall und blieben zeitlebens Krüppel. Der besorgte Gemeinderat berief eine Versammlung ein, grübelte sieben Tage und sieben Nächte und fand, man könne die Stämme auch einfach den Berg herunterrollen lassen. Das kam über ganz Chelm wie eine Erleuchtung und sie nahmen die Stämme, die schon unten auf dem Markt lagen und trugen sie einzeln zur Bergesspitje hinauf und ließen sie herunterrollen, wie die Gemeindeältesten es geboten. Dann luden sie die Stämme auf Fuhren und wollten sie zum Bauplatj der Schul bringen. Aber wie sie durch die Schulgasse fahren wollten, da waren die Stämme zu breit. Und der Gemeinderat grübelte sieben Tage und sieben Nächte und fand, daß der Vorschlag des Ältesten unter ihnen, die Stämme in zwei Hälften zu zerschneiden, nicht annehmbar sei. Denn dann würde die Schul ja nur halb so groß werden, wie sie sollte. So blieb kein anderer Ausweg: man mußte die Häuser der Schulgasse niederreißen. Erst dann konnte man mit dem Bau beginnen.