Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 373

    untergehend, sich als komisch in und an ihr bewährte, - vielmehr gründet sie im Gegenteil ausschließlich in der Situation. So sehr, daß seine Daseinsweise als situationshaft zu bestimmen ist. Sein Leben verschwindet zu nichts, wenn es nicht…

  2. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 374

    Lacher auf seiner Seite" wie der Eulenspiegel, im Gegenteil: in dem Augenblick, wo ihm jemand zusähe und seinen kleinen Trick bemerkte, würde er ohne Zweifel die Flucht ergreifen. Und er tut es auch: wenn der Polizist erscheint — der einzig…

  3. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 375

    sein Lächeln, mit einem Wort seine sichtbare Person — ist etwas Sekundäres, ist erst das Ergebnis seiner Situationsgebundenheit. Das System der Charaktere ist für Chaplin zerbrochen. Er tritt in eine Welt ein, die unübersichtlich geworden i…

  4. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 376

    hin. macht den Sprung, küßt, ohne daß jemand sonst etwas dazu tut, ganz von selbst, er Charlie. Das Märchen ist vollkommen. ]\ur dies eine Mal macht er die Situation fest, um selbst darauf stehen zu können, macht er sie zum Fußpunkt einer e…

  5. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 377

    dem nur ein jeweils enges, aber vielfältig bewegtes Feld der menschlichen Verwicklung zu kennen, das ohne Kontur, ohne Begrenzung ist, an den Rändern gleichsam sich verliert, und in der Zeit sich fortbewegt und beständig neu wird. Es ist in…

  6. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 378

    Lächerlichkeit in einer Welt, die gänzlich auf die Bildung und Geltung der Personeinheiten, und was die Beziehungen betrifft, entweder auf die „soziale" Organisation dieser ausgebildeten isolierten Personen — auf Herrschaft und Leidenschaft…

  7. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 379

    Spenders zum Bedürftigen ist, sondern mit einem gänzlich voraussetzungslosen, gänzlich un-selbstischen Mitleiden, das das Leiden des anderen an die Stelle des eigenen Selbst setzt, — mit dem Mitleid der punktuellen Existenz. Mitleid, das ga…

  8. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 380

    anders mit ihm werden, wird er sich nicht mehr ins Leben einlassen, nicht mehr ganz und ohne einen Rest für sich zu behalten in den Situationen aufgehen, wird er nun einen eigenen Standpunkt haben und nur noch zuschauen? Das wäre das Ende s…

  9. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 381

    Sendung und Verkündertum, und auch da nicht in der Weise transzendenter Gebundenheit wie bei Christus, — und vor allem: auch da immer durchbrochen und zurückgewiesen, vor jedem Pathos bew ahrt durch ein starkes komisches Äquivalent, eine wi…

  10. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 382

    er in die Welt eintrat. Diese beiden Punkte scheinen uns treffendere Bezeichnungen, signa, als Geburt und Tod: stärker als ein wirkliches, mannigfacher pathetischer Verkleidungen fähiges Sterben bezeichnet dieses Abgleiten in die Geisteskra…

  11. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 383

    die Ehre ist das Gerüst, die Stütze der Geltung dieses Selbst, die handliche Norm des gänzlich beziehungslosen Urteils, das jeder beliebige Zuschauer aussprechen kann, ohne sich selbst einlassen und beteiligen zu müssen. Auf diesem Hintergr…

  12. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 384

    einer Selbstschau oder Selbstbewertung, es beruht in der Schlichtheit seiner Realität einfach auf sich, ohne auch nur die Verklärung zum „Erlebnis" d. h. schon zum Moment der Subjektivität zu erfahren, die der erste und gewöhnlichste Schrit…

  13. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 385

    daß er so auftritt, daß man ihn „ernst nehmen4* kann, als Liebender, Werbender, Besitzender, als gesellschaftlicher Faktor. Ihre ganze Bemühung ist darauf gerichtet, den Augenblick herbeizuführen, wo er ihre geheimen Absichten, ihren schamh…

  14. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 386

    Charakter46, einer von denen, die Moliere aus dem System der geltenden Charaktere in die Unterwelt minderwertiger Lächerlichkeit verwies —, daß sein Dasein vielm…

  15. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 387

    aller ernsthaft an einer Diskussion über den russischen Liberalismus, wobei er seine Ansicht „leise, doch mit fester Stimme" vorbringt, er spricht, als die Rede auf Hippolyt kommt, über die Vergebung, ja noch mehr: er stellt sich selbst dar…

  16. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 388

    beginnt Aglaja wieder ihr Versteckspiel, diesmal in einer sehr aggressiven Weise: „Unter keiner Bedingung werde ich Sie heiraten! Hören Sie? unter keiner Bedingung, nie, niemals! Damit Sie es nur wissen! Kann man denn einen so lächerlichen …

  17. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 389

    dies Lachen ungeschehen machen oder allenfalls zu einer unpersönlich erzählbaren Anekdote objektivieren will? Wahrlich nicht! Er hat, so scheint es, nicht einmal das Objekt entdeckt, auf das sich dieses Gelächter bezieht, er ist noch viel z…

  18. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 390

    Heiterkeit! Es ist ein Sieg des Positiv-Schönen — in der Form der Lächerlichkeit. Doch Aglaja gewinnt sich selbst alsbald wieder zurück. Beim Abschied am Abend drückt sie dem Fürsten das Billett mit den beiden PS. in die Hand — wohl die mer…

  19. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 391

    vollends die Rede auf Nastaßja Filippowna kommt, und der Fürst — auch das hat noch eine komische Seite — ausgerechnet dieser Aglaja, die ihn zu einem Rendezvous aufgefordert hat, alles von ihr erzählt, da fällt die Entscheidung: Aglaja ertr…

  20. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 392

    Setzung spricht er nur ein einziges Mal, seine Existenz ist nicht mehr komisch, sondern nun, da ihre Welt sich in zwei Hälften gespalten hat, die sich gegeneinander völlig verschlossen haben, die in äußerster Entschiedenheit und in der Verh…