Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 353

    wendig, als sie nicht über eine gewisse Grenze hinausgehen. Man kann die Konstruktion einer Lokomotive „verstehen"4. Auch sind wir berechtigt, nach einer Erklärung einer Sonnenfinsternis oder eines Erdbebens zu suchen. Aber es kommt ein Mom…

  2. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 354

    werden können, mit der sieh uns die sichtbare und wahrnehmbare Welt offenbart. Nicht nur andere — auch dich selber wirst du nicht mit jener Deutlichkeit von deiner Wahrheit überzeugen können, mit der man jedermann ohne Ausnahme von wissensc…

  3. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 355

    sich Wissenschaft zu nennen? Hin und wieder haben es die Mensehen auch getan. Es hat Epochen der Nüchternheit gegeben, in denen die Jagd nach positivem Wissen sich aller bemächtigte, die zu geistiger Arbeit fähig waren. Oder vielleicht sind…

  4. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 356

    jektiv, und das, was Kant die synthetischen Urteile a priori nennt, vermittelst derer unsere Vernunft die Natur formt und ihr Gesetze diktiert, spielt in unserem Leben eine große und sehr ernsthafte Rolle. Wir schaffen so etwas wie einen Ma…

  5. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 357

    überempirische Welt für eine goldene, für eine Welt aus Brillanten oder Perlen halten, — weil Gold, Brillanten und Perlen sehr wertvoll sind. So pflegt es auch gewöhnlich zu sein. Sogar Gott stellt man sieh gewöhnlieh glänzend von Gold und …

  6. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 358

    ganz andere Art von Traumgesichten zu schaffen, die bereits den Wert hätten, offensichtlich und anschaulich zu zeigen, daß die allgemein anerkannten Traumgesichte nicht die einzig möglichen sind. Zu welchem Zweck? Ich meine, daß man diese F…

  7. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 359

    ein angenehmes, das Leben erleichterndes, aber erniedrigendes Geschenk. Für die Ruhe, für die Freude des durch nichts getrübten Lebens hat er sein Erstgeburtsrecht, das große Recht des freien Schöpfertums hingegeben. Er begreift nicht, wies…

  8. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 360

    begriff seine ,.ewige Wiederkunft". Man könnte viele Philosophen, Dichter. Künstler, Prediger nennen, die gleich den drei Genannten plötzlich sehend wurden und ihre Erleuchtung für den Anfang ihres Lebens hielten. Es ist sogar wahrscheinlic…

  9. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 361

    bare Erscheinungen. Bei der Jagd nach Beweisen, nach Überzeugungskraft und Faßbarkeit, mußte das Wichtigste und Wesentlichste geopfert und das in den Vordergrund geschoben werden, was sich mit der Vernunft in Ubereinstimmung bringen läßt, d…

  10. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 362

    So sonderbar und launisch unsere Erlebnisse auch sein mögen, so wenig sie auch mit den eingewurzelten und herrschenden Vorstellungen vom verbindlichen Charakter des inneren und äußeren Lebens in Einklang stehen mögen, — so erwerben sie doch…

  11. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 363

    bedeutet das eigentlich? Wollte Sokrates in diesem Falle die Dichter mit Papageien oder gelehrigen Drosseln vergleichen, die mit Hilfe des Menschen als Lehrer irgendwelche beliebigen, für sie ganz unfaßbaren Gedanken auswendig lernen können…

  12. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 364

    wägungen seiner Vernunft habe leiten lassen, sondern der Stimme seines geheimnisvollen Dämons gelauscht habe. Anders ausgedrückt, er enthielt sich zuweilen dieser oder jener Handlungen (sein Dämon gab ihm nie positive Ratschläge, sondern nu…

  13. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 365

    war der weiseste unter den Menschen. Und wer weise sein will, der muß, Sokrates nachahmend, ihm in nichts ähnlich sein. Genau so haben es alle großen Philosophen, alle großen Menschen getan. Was lehrt uns die Geschichte der Philosophie? Der…

  14. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 366

    …t haben. Das gleiche wie von Kant kann man von allen großen Vertretern des philosophischen Denkens sagen, bei Plato und Aristoteles beginnend und bis zu Hegel, Schopenhauer und Nietzsche. Ihre Schöpfungen versetzen uns durch die Kraft, Tiefe, Kühnheit…

  15. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 367

    schaulich vom Gegenteil: unter den Philosophen gibt es kein Streben nach Einigkeit, es gab keins und es wird nie eins geben. Und sie werden offenbar auch in Zukunft keine widerspruchsfreie Wahrheit finden, denn Wahrheit in jenem Sinne, wie …

  16. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 368

    Die Ersten und die Letzten Im ersten Band von „Menschliches, Allzumenschliches", den Nietzsche am Anfang seiner Krankheit schrieb, als er noch weit entfernt war vom letzten Sieg und hauptsächlich von seinen Niederlagen erzählte, finden wir …

  17. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 369

    Recht genommen wird, den Kopf hoch zu tragen, die Brust und sogar den Bauch vorzuwölben, verächtlich auf seine Umgebung herabzublicken. Um begreiflich zu machen, wie sehr die Ranglehre mit der menschlichen Seele verwachsen ist, will ich die…

  18. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 370

    …, Nietzsche. Der bescheidene Jude Spinoza und der ebenso bescheidene Heide Sokrates, der Idealist Plato und der Realist Aristoteles, die Begründer der neuesten, edelsten und erhabensten Systeme Kant, Fichte und Hegel, sogar der Pessimist Schopenhauer …

  19. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 371

    wird morgen ein Gott sein, dein Gott. Alle Einteilungen und Stufenleitern, nach denen sich die Menschen unterschieden, sind für innner verwischt, und es gibt keine Gewißheit, daß der Platz, den du einmal eingenommen, dir verbleiben wird. Un…

  20. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 372

    DOLF STERNBERGER CHARLIE CHAPLIN, DER IDIOT, DON QUIJOTE Versuch über die komische Existenz Charlie Chaplin Jedermann, der den ,,Goldrau…