Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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dies Lachen ungeschehen machen oder allenfalls zu einer unpersönlich erzählbaren Anekdote objektivieren will? Wahrlich nicht! Er hat, so scheint es, nicht einmal das Objekt entdeckt, auf das sich dieses Gelächter bezieht, er ist noch viel zu sehr verwickelt und in das Geschehende hineinverstrickt, als daß er diese sichere Distanzierung zum soeben Geschehenen vollziehen könnte, die den andern selbstverständlich ist. Er lacht aus keinem andern Grunde, als dem, daß die andern lachen. Es ist für ihn in diesem Augenblick nichts sichtbar als eben dies Lachen der andern, genau wie zuvor nichts für ihn da war als der Zorn Aglajas. Natürlich steigert sein Lachen noch den Sturm, die Szene entspannt sich in einer großen allgemeinen Freude, — einer sehr sonderbaren Art von Freude freilich: wenn man bedenkt, daß im Grunde an diesem Punkte der Entwicklung alles unklar, alles schwebend ist, daß nichts errungen ist, keinerlei Fortschritt, wie es in der Komödie notwendig wäre, keinerlei „Wendung" zum Fröhlichen, daß im Gegenteil vielleicht durch diese Blamage der Fürst sich alle Chance verdorben hat, daß der Ausruf Adelaidas ,,Sie lieber Mensch" eine endgültige Ausscheidung des Fürsten aus dem Kreis derjenigen Leute bedeuten kann, die eine bestimmte Größe darstellen, mit denen man rechnet, — ja ..ein lieber Mensch44, das können alle von ihm sagen, aber nichts weiter! — und daß der Idiot selbst über all diese Möglichkeiten völlig im Dunkeln ist, vielmehr, daß er von solchen Möglichkeiten überhaupt nichts wissen kann, weil ihm die Welt der „Bedeutungen", in der diese Szene, die sieh da abgespielt hat, einen ganz bestimmten Platz einnimmt, hin und her gewendet wird und von den weittragendsten Folgen sein kann, weil ihm diese ungegenwärtige, unoffenbare Welt verschlossen ist. Es zeigt sich daran das gänzlich Undramatische dieser Daseinsweise. Der Moment könnte, wenn man ihn in ein in der Person des ,,Helden" Myschkin zusammengerafftes Spannungsganze eingliederte, von einer großen dramatischen Bedeutsamkeit sein. Diese Bedeutsamkeit bleibt völlig geheim und verborgen. So ist dieser Ausbruch des Lachens auch keine komödienhafte Freude, nicht Triumph des Gewinns und Besitzes, noch närrische Glosse über tieferer tragischer Spannung, vielmehr eine gleichsam substanzlose Freude ohne Bezug auf Vergangenheit oder Zukunft. Alle gehen in diesem Lachen in der Daseinsweise des Fürsten auf, der Kontrast geht verloren, die Komik greift über ihre Grenzen, w ird zur 389