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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 376

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 376 (sequence 5)
Language
German
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hin. macht den Sprung, küßt, ohne daß jemand sonst etwas dazu tut, ganz von selbst, er Charlie. Das Märchen ist vollkommen. ]\ur dies eine Mal macht er die Situation fest, um selbst darauf stehen zu können, macht er sie zum Fußpunkt einer eigenen, nur ihm zugehörigen Existenz, eines Selbst. Und in seiner Entwicklung ist er denn auch ganz von solcher märchenhaften Wendung abgekommen: der „Zirkus" enthält nichts mehr davon. Und die unendliche Bereitschaft, die unendliche Erwartung des Menschen tritt im „Zirkus" nicht mehr in der Form des Gefühls, der Melancholie heraus wie im „Goldrausch". Dort sind noch die Szenen großer Traurigkeit, ganz ohne das komische Äquivalent, darin die Punktualität mit der Aura wirklicher Einsamkeit umgeben wird und kontrastiert zur Sicherheit und Aufgehobenheit der Gemeinschaft, die drinnen im Hause Silvester feiert. Der „Goldrausch" ist in diesen Partien noch komödienhaft: Spannung und Lösung fallen in der Zeit auseinander. Im „Zirkus" gibt es keine Tränen und kein happy end mehr: beides ist in jedem Augenblick möglich, keines von beiden endgültig, — im Grunde ist nichts als der Punkt. Der letzte Rest bloß ereignishafter Komik ist aufgelöst in das an sich selbst komische Dasein. Das inmitten des Gewühls nicht den Raum findet, um sich eine Sphäre des Selbst zu schaffen, und sei es auch nur die einer sehnsüchtigen oder resignierenden Stimmung. Das immer bis zum äußersten der Möglichkeit nach bereit ist, sich aufzugeben, sein Selbst loszuwerden an die immer nur fragmentarisch, eigentümlich schematisch, requisitenhaft deutlich werdenden Mitmenschen. Big Jim, Jack der Weiberheld im Goldrausch, der Zirkusdirektor. Rex der Seiltänzer im Zirkus: sind eigentlich mehr Mächte, Kräfte als Menschen. Diese Existenz hat selbstverständlich, wenn sie sich nicht einmal den eigenen Raum der Stimmung oder des Affekts schafft, auch nicht die Möglichkeit, Menschen gegenüber die Position, die Festigkeit eines Beobachtenden einzunehmen, der sie von allen Seiten kennenzulernen suchte, ihr wird nur immer so viel von den umgebenden Personen deutlich und wesentlich, als zu ihr hingewendet ist, als in der jeweiligen Situation wirksam ist. Und damit ist kein Manko, kein Minus in bezug auf die persönlichen Talente Charlies benannt, sondern es ist wiederum ein wesentliches dieser Daseinsweise: von Personganzheiten gar nichts zu wissen, nur die zerstäubte Welt in Situationen wirkender Mächte, keine Ordnung oder Totalität menschlicher Möglichkeiten, son- 376

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