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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 385

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 385 (sequence 14)
Language
German
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daß er so auftritt, daß man ihn „ernst nehmen4* kann, als Liebender, Werbender, Besitzender, als gesellschaftlicher Faktor. Ihre ganze Bemühung ist darauf gerichtet, den Augenblick herbeizuführen, wo er ihre geheimen Absichten, ihren schamhaft verborgenen Willen zur Hingabe erraten und endlich, endlich den Schritt zum eigenen Dasein tun werde. Ihr erster Angriff ist die Redewendung vom ,,armen Ritter'% noch aus der Distanz und im geheimen innerhalb des Kreises der Generalstöchter, dann offen in Gegenwart des Fürsten gebraucht. Den Fürsten, der in der allgemeinen Verlegenheit erst allmählich die Beziehung auf ihn selbst zu ahnen beginnt, ergreift eine Verwirrung, nicht so sehr des Vergleichs als solchen wegen, sondern darüber, daß man sich dort in dieser \\ eise mit ihm beschäftigt und einen Namen für ihn erfunden hat, daß er so plötzlich aus der unmittelbaren Beteiligtheit herausgestellt, Objekt der allgemeinen Betrachtung — ob ernsthafter oder spöttischer i>t gar nicht so wesentlich — wird, in einer Wirklichkeit den Menschen, die um ihn sind, erscheint, die nicht seine Wirklichkeit ist, nicht die gegenwärtige \\ irklichkeit. Dies ist überhaupt meist die Ursache der komischen L ^Sicherheiten in diesem Dasein: das „sich seines Wertes nicht bewußte Schöne" wird gleichsam grundlos, entgleitet sich selbst, findet an sich keine Entsprechung für das Bild, für die fixierende Spiegelung, die es im Bewußtsein der umgebenden Welt erfährt. Nun steht Aglaja auf und trägt die Ballade vom armen Ritter vor, ein „ernst und tragisch gesehener" Don Quijote nach ihrem eigenen Kommentar. Für das Monogramm seiner Dame setzt sie das der Nastaßja Filippowna ein. Der Spott ist unverkennbar, auch dem Fürsten selbst. Dieser Spott ist mehr als ein bloß betrachtender, der Fürst spürt darin eine geheime Absicht, eine Überlegung, es ist eine Berührung der anderen, der tragischen Sphäre darin enthalten. Und nicht nur eine Berührung, sondern ein Versuch Aglajas, diese andere Sphäre durch das Mittel des Spottes an sich zu reißen, in ihre Haltung zum Fürsten mit einzubeziehen, die andere Verstrickung, die isoliert nebenherging, einzufangen und unschädlich zu machen. Der Versuch mißlingt: ein starker Beweis dafür, daß die Situationsgebundenheit des Fürsten eine daseinsmäßige ist, nicht bloße Schwäche und nachgebende Feigheit des Charakters, die „Einflüssen66 zugänglich ist, die Breite ihrer Verwicklung vergißt und dem andern zuliebe begrenzt — dann wäre er wirklich nur ein „komischer 385

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