Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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vollends die Rede auf Nastaßja Filippowna kommt, und der Fürst — auch das hat noch eine komische Seite — ausgerechnet dieser Aglaja, die ihn zu einem Rendezvous aufgefordert hat, alles von ihr erzählt, da fällt die Entscheidung: Aglaja erträgt es nicht, daß die andere Frau überhaupt eine Rolle spielt, gleichviel in welchem Sinne, sie höhnt, sie wütet, in ihrem Zorn ist die Forderung der Ausschließung alles dessen, was nicht zu ihr gehört, der entschiedenen, selbst-bewußten Begrenzung des Daseins, die Eifersucht überwältigt sie, die Verschließung ihres Selbst ist endgültig, der Affekt zieht die harte Grenze und gibt die Selbst-Bestätigung. Ein Ausbruch des Hasses gegen Nastaßja folgt, der Fürst ist zerschmettert, er murmelt nur noch: „Sie können nicht so fühlen, das ist nicht wahr" — es ist ein letzter spontaner Versuch der Auflösung, jedoch es bleibt vergeblich. Er bleibt allein. Der Ausdruck des gegenwärtigen Daseins ist nicht mehr komisch, da die elt, in der es ist, begonnen hat, sich gegen es zu wenden. Noch folgen komische Momente. Die andere Sphäre wird bewußt nicht berührt, die Einschränkung mühsam aufrecht erhalten. Jepantschins veranstalten einen Abend für ihre Gönner und hochgestellten Freunde, um den Fürsten einzuführen, Aglaja gibt ihm am Abend vorher Verhaltungsmaßregeln. Sie bringt ihn schließlich soweit, daß er vor lauter Angst beschließt, überhaupt nicht zu der Gesellschaft hinzukommen. Er, für den der ganze Abend arrangiert ist! Aglajas Zorn bringt ihn sofort wieder davon ab. Der Fürst selbst versucht, die gewaltsame Aufspaltung seiner Welt aufzulösen. Er will beginnen: ,,. . . zwischen uns steht noch ein Wesen44, jedoch ein dreifaches „Schweigen Sie4* Aglajas schneidet alles weitere ab. So schließt die letzte Szene, in der Myschkins Dasein als rein komisch sich zeigt. Nun fallen Entscheidungen. Das einfache In-der-Welt-sein Myschkins ist unentschieden, — Entscheidung baut auf, eine Substanz über die Gegenwart hinaus, sein Dasein jedoch ist nicht aufbauend, sondern autgehend. Alle Entscheidungen fallen jenseits seines Daseins. Als Aglaja, im Bewußtsein, daß ohne eine Klärung nicht weiterzukommen sei, das Zusammentreffen mit Nastaßja beschlossen hat und dem Fürsten gebietet, ihr zu folgen, erwidert er nichts als: ,,Ja, ich bin bei Kräften, aber . . . ist es denn möglich?44 — „Darauf folgte er ihr, unfrei, wie ein Gefangener", heißt es, gleichsam voll Resignation. Während der ganzen Auseinander- 391