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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 390

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 390 (sequence 19)
Language
German
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Heiterkeit! Es ist ein Sieg des Positiv-Schönen — in der Form der Lächerlichkeit. Doch Aglaja gewinnt sich selbst alsbald wieder zurück. Beim Abschied am Abend drückt sie dem Fürsten das Billett mit den beiden PS. in die Hand — wohl die merkwürdigste Verabredung zu einem Rendezvous, die je geschildert wurde. Das heißt, keine Verabredung: ein Befehl — und einer, der von der Frau ausgeht! Sie kommt zur grünen Bank: der Fürst ist schon da, aber — er schläft! Sie sprechen dann wirr und hastig über alles Mögliche, endlich kommt Aglaja ruckhaft heraus: „Ich will Ihnen sagen, wTeshalb ich Sie hierhergerufen habe: ich will Ihnen den Vorschlag machen, mein Freund zu werden." Diese Formel hat sie sich ausgedacht, diese Formel, die ja eigentlich gar nichts besagt, weil sie ja schon längst Freunde sind — sie will natürlich viel mehr damit ausdrücken, jedoch Scham, Furcht vor Preisgabe ihrer selbst hindern sie, mehr zu sagen, sie errötet, und gleichzeitig wird sie zornig darüber. Aglaja ist während dieser ganzen Unterredung immer in der Schwebe zwischen der natürlichen Offenheit ihrer Kindhaftigkeit und der nur erst dunkel und unsicher ertasteten, geahnten Notwendigkeit, Charakter zu haben, sich ja nicht zu verlieren: dieses Hin und Wider macht den großen Reiz dieser Szene aus. Und der Fürst versteht nicht, versteht absolut nicht, was „dahinter" steckt, — er meint, dieses Freundschaftschließen sei doch gar nicht mehr nötig, er wird aufs höchste verwirrt, als sie ihm ihre Meinung über ihn auseinandersetzt, er erschrickt über ihren Plan, zu entfliehen — kurz, dieser beständige Wechsel der Empfindungen und Entschlüsse Aglajas läßt ihn nicht zu Atem kommen, er ist fortwährend bemüht, dem, was da vorgeht, genau zu folgen, das alles zu erfassen, hier sie zu beruhigen, dort ein Mißverständnis zu klären, wiederum ihr etwas Falsches auszureden, das unruhige Überschießen und Wiedereindämmen ihrer Erregung aufzunehmen — jedoch sie entgleitet ihm immer wieder; er vermag nicht, sich auch nur einen Zoll über die Situation zu erheben, Überschau zu gewinnen und sich der Lage zu bemächtigen. Das wäre der Bruch mit der Gegenwärtigkeit und das Ende der komischen Existenz, zugleich freilich der Anfang der Komödie! Und sie andrerseits ist nicht fähig, dem Kindlichen in sich zum Siege zu verhelfen, d. h. sich gänzlich zu öffnen und die rückhaltlose Bereitschaft zu gewinnen, die das Dasein des Idioten ausmacht. Als nun 390

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