Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 393

    in derselben Weise in der Existenz wie das Komische, und die Verdeutlichung dieser Grundverfassung gibt dem Komischen neues Gewicht und neuen Hintergrund. Dem Idioten wird in eigentümlicher Weise die Erfüllung zuteil, deren latente Erwartun…

  2. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 394

    suchen, nur nicht als ein Äußeres, das er sich erst einzuverleiben hätte — wie es in unseren Bildungsromanen geschieht! —, sondern als ein schon Vorausgeschautes. Chaplins Punktualität war nur existent, sofern sie in Situationen aufging, oh…

  3. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 395

    Situation66 — das heißt: es kann es bleiben, weil es ja die Situation, die wirkliche gegenwärtige Situation, gar nicht kennt, oder vielmehr, da es nicht in ihr ist. Komisch sind ja auch nicht die Niederlagen, ist nicht das Verprügelt- und G…

  4. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 396

    Auf-sich-zukommen-lassen abschneidet und abtötet — trotz der Warnungen Sanchos! —, sich's an dem partiellen und isolierten Eindruck genügen läßt, um die Situation zum Abenteuer zu verarbeiten. Von diesem ersten Augenblick an, wo das Begegne…

  5. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 397

    stisches Argument!) —, „das Bartbecken blieb ein Helm und die Seherike eine Ritterburg, bis zum jüngsten Tage**. War die Innerliehkeit so voreilig und so überschwenglich, die Situation in der extremsten Weise abzublenden — wie es immer zum …

  6. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 398

    Sancho, der ungeachtet seiner utopischen Sehnsucht nach der verheißenen Statthalterschaft, die ihn an den fahrenden Ritter fesselt, doch seinen eigenen Standpunkt hat. Die zahlreichen „kurzweiligen Gespräche64 zwischen Ritter und Knappen si…

  7. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 399

    Namen erfunden: „Ritter von der traurigen Gestalt"\ er aber mißversteht ihn, nimmt ihn als ein neues Moment in der Ordnung und eine neue Nuance in dem Bilde der Welt, zu der sein Ich geweitet ist: ein fahrender Ritter muß einen Beinamen hab…

  8. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 400

    die Blamage angefressen werden, schlüpft im Handumdrehen in Rollen hinein, deren Zuendespielen durch die Blamage verhindert wird. Die Blamage ist das große Fragezeichen, das die Situation hinter das behauptete Geltungsrecht der Person macht…

  9. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 401

    die er in jedem Augenblick hineinschlüpfen kann, die aber immer schon in Gefahr sind, zu platzen. Sie haben unter sich keinen konsequenten Zusammenhang, würden, wenn man sie alle zusammenfassen könnte, keine geschlossene Welt ergeben wie di…

  10. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 402

    unzählig, weil die Versuchung zur Form hier die größte ist — oder vielmehr: weil die Form hier erw artet wird, die paradierende Männlichkeit oder das Pathos des Liebhabers. Weil hier gerade am wenigsten Bereitschaft ist, am meisten Forderun…

  11. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 403

    HANS TRÜB AUS EINEM WINKEL MEINES SPRECHZIMMERS1) Meinen Patienten gewidmet. Ich meine wirklieh mein Sprechzimmer. Nicht irgendei…

  12. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 404

    Weil es also nicht Stück ist von mir, nicht trennbar ist von einem übrigen Ganzen, nichts außer ihm oder neben ihm da ist, von dem aus es ergänzt und erklärt werden könnte, so entzieht es sich mir vollkommen als Gegenstand der Untersuchung …

  13. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 405

    wahre Antwort gegeben habe. Du bist es, der von mir hören will, zu dem ich rede. So höre denn, was ich zu berichten habe. Ich bin wirklich krank. Nicht nur ein bißchen hier und ein bißchen dort. Nicht nur dann und wann einmal. Sondern ich b…

  14. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 406

    ihm, noch eine lebendige Beziehung herstellen zu ihm. Das alles, und was ich daraus erinnern mag, hat ja gar nichts zu tun mit mir, der ich hier im Winkel meines Sprechzimmers sitze, und nichts mit dem, wovon ich reden möchte. Und doch habe…

  15. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 407

    sen von aller Welt, preisgegeben dem grenzenlosen Nichts. Entsetzliche Angst packt mich an. In wilder Flucht jage ich davon und suche Obdach ... im „vertrauten" Kämmerlein, hinter geschlossenen Läden und unter warmen Decken, einen nassen La…

  16. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 408

    erster Anhaltspunkt! Nun setzte eine planmäßige Kontrolle des Bewußtseins ein. Ich war gewarnt und blieb auf der Hut. Aber die Anfälle kannten sich besser aus in der Zeit als ich. Sie kamen nun am früheren Morgen. So dehnte ich meine Bereit…

  17. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 409

    Obschon ich diesen Migräne-Anfällen noch heute mit derselben Häufigkeit ausgesetzt bin, so habe ich doch, was ihren äußern Ablaufscharakter anbetrifft, eine wesentliche Wandlung mitzuteilen. Seit dem Frühjahr 1918 kann ich den einzelnen Anf…

  18. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 410

    über die Heilung ein Wort sagen. Daß ich die Anfälle kupieren kann, ist wahr. Für dieses „Können46 habe ich einen Preis bezahlen müssen. Ich bin nämlich im Kampf gegen meine Krankheit nur durch mein „Unterliegen" Sieger geworden. Wie das zu…

  19. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 411

    mich auf den Weg. Und angelangt bei ihm, dem ich doch nun zeigen wollte, was Unmögliches er von mir verlangt hat, war alles weg! Das war ein Kerl! Die beiden Fälle sind für mich nicht gleichwertig. Im ersten war die Wirkungskraft des Leides…

  20. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 412

    schreibe einfach drauf los, was mir einfällt. Jedoch nicht ganz planlos. Wie wenn ich angeleitet worden wäre: An was alles kannst du dich in diesem Zustand noch erinnern? Schreib es auf!" Frage und Befehl zugleich! So schrieb ich also. Über…