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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 388 (sequence 17)
Language
German
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beginnt Aglaja wieder ihr Versteckspiel, diesmal in einer sehr aggressiven Weise: „Unter keiner Bedingung werde ich Sie heiraten! Hören Sie? unter keiner Bedingung, nie, niemals! Damit Sie es nur wissen! Kann man denn einen so lächerlichen Menschen wie Sie überhaupt heiraten?" Da ist der russische Liberalismus und die Verbrecherseele, Reflexion und alle hohen Ideen vergessen, er geht keineswegs „sogleich weg64, wie er vorher versprach, er sieht und hört nichts mehr, als die zornig hervorgestoßenen Worte Aglajas — sie sagt, sie wolle ihn nicht heiraten, sie ist so aufgeregt, nur sie beruhigen —, es scheint, daß sie glaubt, er habe irgend w elche Absichten in bezug auf sie, er wolle überhaupt etwas, was sie nicht will, sie soll doch nicht so zornig sein, es ist ja gar keine Ursache. Und da ist es heraus: „Ich habe Sie gar nicht darum gebeten, Aglaja Iwanowna." Er stottert, er zittert, er ist wieder ganz da, es existiert nichts für ihn als diese zornige Aglaja, er ist ganz diesseitig, so diesseitig, daß es komisch ist. Man möchte glauben, der Dichter habe ihn nur darum so weit aus der gegenwärtigen Welt heraustreten lassen, bis in die beziehungslos jenseitige Sphäre unaussprechlicher Ideale, bis zum Entschluß, sich für immer aus der „Gesellschaft" zurückzuziehen, um ihn danach um so tiefer in der Unmittelbarkeit der Situation aufgehen, ihn bis zu einer vorher nicht dagewesenen Lächerlichkeit darin einsinken zu lassen. Das Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Die gefährliche Uberspannung des „Positiv-Schönen" bis zum ungegenwärtigen, der Wirklichkeit eben um seiner Lächerlichkeit willen inadäquaten, ja nicht einmal zu verwirklichenden abgespaltenen Selbst des Ideals ist ausgeglichen durch den Sturz in tiefste, daseinsmäßige Komik. Ein Sturm des Gelächters erhebt sich auf Myschkins Beteuerungen und „Erklärungen" hin, daß er „gar nicht die Absicht gehabt habe - die Ehre gehabt habe, um ihre Hand anzuhalten — auch nur jemals". Und was das Sonderbarste ist: der Fürst lacht mit! „Erleichtert, froh und glücklich sagte er immer wieder: Nun, Gott sei Dank, Gott sei Dank!" Er lacht mit. Was ist das? Erhebt er sich mit diesem Lachen über die Situation, gewinnt er sich selbst zurück? Lacht er mit der Souveränität des Charakters, der auf solche Weise sich des Anhängsels, dieser „komischen Geschichte", die ihm „zugestoßen" ist, entledigt und sich auf sein vernünftiges, eigentliches Dasein zurückzieht, der das Geschehene durch 388

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