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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 333

    In dem denkwürdigen Aufsatz „Weder ein Heiliger noch ein Politiker" erläutert Gandhi seine Position: „Ich scheine an der Politik teilzunehmen, aber dem ist bloß deshalb so, weil die Politik uns heutzutag wie die Windungen einer Schlange ums…

  2. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 334

    ist . . . Diese Gewaltlosigkeit scheint mir lediglich unsrer Hilflosigkeit zu entstammen . . . Kann echte freiwillige Gewaltlosigkeit aus dieser anscheinend zwanghaften Gewaltlosigkeit des Schwachen kommen?46 Diese Worte haben wohl auch heu…

  3. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 335

    werde diesem unverzüglich eine Verfassung anbieten, „die den Wünschen des indischen Volkes genau entsprechen wird4*. Das Gespräch endete damit, daß Gandhi ein Prophetenwort variierte: „Der Löwe ruht dann beim Lamm.66 Man kann nicht deutlich…

  4. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 336

    die Stapfen jenes Gottesschrittes zu treten, sie in blindem Lauf überrennt. Ist die Religion am andern Ende von einem Eis der Isolierung bedroht, in dem sie die Verbindung mit dem gemeinschaftaufbauenden Menschenanteil am Werden des Reichs …

  5. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 337

    erkennen wollen, das indische Unabhängigkeitsideal seinen - wirklichen und möglichen — Inhalten nach betrachten. Das scheint mir am deutlichsten zu geschehen, indem wir das Programm des Mahatma mit dem seines Gegners, des großen Patrioten C…

  6. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 338

    Asien auf verwandte Ideen eines europäischen Kreises empfunden habe, stellt in meinen Augen eine Gipfelhöhe des politischen Menschen dar. Was sich hier ausspricht, ist die Ahnung einer Uberwindung der politischen Entartung, die sich im mode…

  7. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 339

    die Politik gilt, sondern konkretes Miteinanderberaten, Miteinanderbeschließen, Miteinanderhandeln im konkreten Öffentlichkeitsbereich; Gemeinschaften, in deren Staffelgefüge sich das Volk erst als solches politisch konstituiert. Gandhi hat…

  8. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 340

    „materiell": sie erscheint notwendigerweise so, nur weil und insofern sie noch unbewältigtes — vom Geist noch nicht durchdrungenes — Material darstellt. Es geht darum, in Indien wie überall, die menschliche Substanz zu retten und zu erschli…

  9. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 341

    eben zu geben, was „sein" sei, und das eigne Reich so gegen das des nicht aktuellen, weil das Leben des Bürgers, und gar des palästinensischen, nicht aufsaugenden Staatszentralismus abzugrenzen; die Propheten Israels mußten dem König in Jer…

  10. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 342

    wenden: den andern zu gewinnen, indem man ihn erschließt. Wer das versucht, mag im politischen Getriebe schwach erscheinen — er arbeitet, indem er am Reich des Menschen baut, am Reich Gottes. Am Reich Gottes können wir nur arbeiten, indem w…

  11. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 343

    LEO SCHESTOW DIE GROSSEN VORABENDE Erkenntnistheorie als Apologetik Die moderne Erkenntnistheorie, die zwar stets sich von Kant herleitet, ist in einer Beziehung dem Vermächtnis ihres Meisters gänzlich untreu geworden. Und wie sonderbar: di…

  12. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 344

    Wissenschaft in Apologetik. Darum stimmen auch die Beweismethoden der Erkenntnistheoretiker überein. Wenn die Wissenschaft zu verteidigen ist, so ist sie also vor allem zu loben, d. h. es sind Erwägungen und Daten zu sammeln, die darauf hin…

  13. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 345

    vor, daß grade der Glaube an das Gesetz der Kausalität jene große Unruhe und Verwirrung in der Seele erzeugt, deren Endergebnis alle Schrecken des Chaos und des Wahnsinns sind. Die Überzeugung von der Unveränderlichkeit der bestehenden Ordn…

  14. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 346

    oder ist es vielleicht unvollkommen und muß deshalb den Ehrenplatz, den es heute einnimmt, einem anderen Wissen abtreten? Dies ist offenbar die wichtigste Frage der Erkenntnistheorie, und diese Frage stellt sie nie. Sie will die bestehende …

  15. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 347

    …nd seines Lobes der L neigennützigkeit, Plato wegen seiner Originalität und der Reinheit seiner idealistischen Impulse, Aristoteles wegen seines umfangreichen und allumfassenden \\ is-ens usw. Man muß also eigentlich gestehen, daß wir keine wahre, obj…

  16. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 348

    nicht mit dem Gesetz vom Widerspruch, sagt er uns nicht zu, so ziehen wir ihn mit aller Strenge des Gesetzes zur Verantwortung, von vornherein davon überzeugt, daß er in jeder Hinsicht schuldig ist. Zuweilen aber bekommt man Lust, seine eig…

  17. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 349

    kollektivem Schaffen. Eine Wahrheit, die nicht für alle und für immer, auf Innen- und Außenmärkten taugt, sei keine Wahrheit. Sogar ihr Wert werde vielleicht durch das Quantum der auf sie verwendeten Mühe bedingt. Marx könnte triumphieren: …

  18. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 350

    trage, daß es nur „an und für sich" existiere, sich selbst genüge. Ja, wenn irgend jemand dies sagte, was würde man ihm da antworten? Man würde nicht streiten. — wie sollte man auch mit einem Menschen streiten, der weder diskutieren noch be…

  19. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 351

    liege. Zum Glück aber verhält es sich damit anders. Vielleicht ist es der Menschheit nicht beschieden, sich in dieser Hinsicht jemals zu ändern, vielleicht werden die Menschen auch in tausend Jahren viel mehr \\ ert auf die theoretischen un…

  20. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 352

    die anderen Wissenschaften jene Urteile beweisen, die sie unter ihre Obhut genommen hat. Sie glaubte, wenn sie auf die Pflicht des Beweisens verzichtete, alle ihre Rechte zu verlieren. Und hierin, so ist anzunehmen, bestand ihr verhängnisvo…