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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 358 (sequence 109)
Language
German
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ganz andere Art von Traumgesichten zu schaffen, die bereits den Wert hätten, offensichtlich und anschaulich zu zeigen, daß die allgemein anerkannten Traumgesichte nicht die einzig möglichen sind. Zu welchem Zweck? Ich meine, daß man diese Frage unbeantwortet lassen kann: wer sie stellt, zeigt damit, daß er weder eine Antwort noch eine solche Philosophie braucht. Wer sie aber braucht, wird nicht fragen und wird geduldig die Ereignisse abwarten: eine Fiebertemperatur von 40°, einen epileptischen Anfall oder irgend etwas Derartiges, was ihm die schwere Aufgabe des Suchens erleichtern wird . . . Gegebenes und Mögliches Das Kausalgesetz als heuristisches Prinzip ist eine vortreffliche Sache; die bestehenden Wissenschaften überzeugen uns in hinreichendem Maße hiervon. Als Idee aber (im platonischen Sinn) ist es wenig wert, zuweilen wenigstens. Die strenge Harmonie und Ordnung in der Welt übten auf viele Menschen einen Zauber aus: solche Titanen des Denkens, wie Spinoza und Goethe, hielten mit ehrfürchtigem Staunen inne bei der Betrachtung der großen und unveränderlichen Ordnung in der Natur. Und sie erhoben sogar deshalb die Notwendigkeit in den Rang eines ursprünglichen, ewigen, vorweltlichen Prinzips. Und es muß zugegeben werden, daß die Weltanschauung Goethes und Spinozas in jedem von uns lebendig ist, und daß wir größtenteils die Welt nur dann lieben und achten können, wenn unsere Seele wohlgegliederte Harmonie in ihr empfindet. Harmonie erscheint uns gleichzeitig sowohl als größter Wert wie auch als letzte Wahrheit. Sie gewährt der Seele große Ruhe, starke Widerstandskraft, Vertrauen zum Schöpfer, d. h. die, wie die Philosophen lehren, höchsten, den Sterblichen erreichbaren Güter. Nichtsdestoweniger gibt es auch noch andere Leidenschaften. Es bemächtigt sich plötzlich des menschlichen Herzens die Sehnsucht nach dem Phantastischen, Unvorhergesehenen, Unvoraussehbaren. Die schöne Welt büßt ihre Schönheit ein, die seelische Ruhe erscheint als schmachvoll, die Sicherheit wird als unerträgliche Last empfunden. Ähnlich wie der mannbar werdende Jüngling die wohltuende Obhut der Eltern, die ihm so viel gab, plötzlich als qualvolle Last empfindet — obwohl er nicht weiß, was er mit seiner Freiheit anfangen soll—, schämt sich der sehend gewordene Mensch des ihm gegebenen, von irgend jemandem geschaffenen Glückes. Das Gesetz der Kausalität, wie auch die ganze Weltharmonie, erscheint ihm als 358

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