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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 360

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 360 (sequence 111)
Language
German
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begriff seine ,.ewige Wiederkunft". Man könnte viele Philosophen, Dichter. Künstler, Prediger nennen, die gleich den drei Genannten plötzlich sehend wurden und ihre Erleuchtung für den Anfang ihres Lebens hielten. Es ist sogar wahrscheinlich, daß alle Menschen ohne Ausnahme, denen es beschieden war, der Welt etwas ganz Neues und Originelles zu zeigen, das Wunder einer solchen plötzlichen Metamorphose erlebten. Nichtsdestoweniger wissen wir, obwohl von diesen Wundern viel und häufig — fast in allen Biographien großer Menschen — gesprochen wird, eigentlich keinen Gebrauch davon zu machen. Descartes, Schelling, Nietzsche berichten von ihren Wandlungen, unter den Russen Tolstoj und Dostojewski] von den ihren, in der weniger weit zurückliegenden Vergangenheit Mohammed und Paulus, in dem weiter zurückliegenden Altertum berichtet die Legende von Moses. Aber selbst wenn ich hier die Zahl der angeführten Fälle verzehnfachte, selbst wenn es gelänge, ihrer Tausende zu sammeln, so könnte die Vernunft aus ihnen keinen Schluß ziehen, mit anderen Worten, alle diese Fälle haben als wissenschaftliches Material keinen Wert, während ein einziger fossiler Knochen oder ein einziger Fall einer noch nicht beobachteten, seltenen Krankheit für den Gelehrten ein wertvoller Fund ist. Und, was noch interessanter ist: Descartes war so sehr erstaunt über sein cogito ergo sum, Nietzsche über seine ewige iederkunft, Mohammed über sein Paradies, Paulus über seine \ision — wir hingegen bleiben mehr oder weniger gleichgültig gegen alles, was sie von ihren Erlebnissen erzählen. Nur die Feinfühligsten unter uns lauschen aufmerksam derartigen Erzählungen, und selbst sie sind gezwungen, ihre Eindrücke für sich zu behalten, — denn was sollten sie mit ihnen anfangen? Kann man sie doch nicht einmal als unzweifelhafte Tatsachen fixieren, denn auch Tatsachen bedürfen einer Nachprüfung, müssen bewiesen werden. Beweise aber sind nicht vorhanden. Die philosophischen und religiösen Lehren, vorgebracht von Menschen, die ungewöhnliche innere Geschehnisse erlebten, bestätigen größtenteils deren eigene Offenbarungsberichte nicht nur nicht, sondern widerlegen sie eher. Denn die philosophischen und religiösen Lehren setzten sich bisher stets das Ziel, alle und jedermann für sich zu gewinnen um dies aber zu erreichen, muß man zu Methoden greifen, die auf den gewöhnlichen, nichts Ungewöhnliches kennenden Menschen wirken, d. h. wiederum zu Beweisen, zu Berufungen auf sichtbare und wahrnehmbare, meß-, wäg- und zähl- 360

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