Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 2 · page 53

    eine mächtige Rolle zu spielen. Im zweiten Artikel leben auch dafür wichtige Kräfte, die christologischen, die der Logoslehre. Denn wenn eben der Mensch von vornherein unter dem Logos steht, so folgt daraus, daß der Geist sich den Körper ba…

  2. 1927-01-01 · Heft 2 · page 54

    tun, können wir Freud und Leid voneinander würdigen. Man konnte genau beurteilen, wie der andere ist. Heute - und bei uns Juristen ist es ja noch relativ harmlos - aber es ist doch schon so, daß jeder heute eine andere Vorbildung hat, auch …

  3. 1927-01-01 · Heft 2 · page 55

    samkeit geworden. Die in sich selbst ruhende Persönlichkeit des Berufsträgers hatte die Kraft zur Einsamkeit gehabt. Das Massenwesen des Arbeitsmenschen braucht nicht die Gemeinschaft, um in ihr unterzugehen, sondern um aus ihr auch wieder …

  4. 1927-01-01 · Heft 2 · page 56

    heute auch als Erlösungsträger aufgegeben. Die sollen richtig erschlossen und geformt werden. Daher kommt nun die ganz neue Bedeutung jener urkirchlichen Elemente, von denen Luther einfach naiv gezehrt hat. Die Kräfte der alten Kirche waren…

  5. 1927-01-01 · Heft 2 · page 57

    satzes aller Kräfte, von denen die alte Kirche bisher naiv gezehrt hat, die aber heute fast aufgezehrt sind und erst wieder von uns geschaffen werden müssen. Liegt nun in diesem allen ein Heraustreten aus dem, was uns verheißen ist? Brechen…

  6. 1927-01-01 · Heft 2 · page 58

    nehmen, das eigentlich kirchliche Werk von Dingen zu befreien, die es nicht leisten kann. Man faßt die Menschen nicht mehr, kann sie auch nicht durch Vereine usw. mehr fassen, sie laufen weg, weil sie krank sind, ungläubig sind, an sich sel…

  7. 1927-01-01 · Heft 2 · page 59

    WILHELM MICHEL DER BLICK Erhaltendes und zerstörendes Bewußtsein Es gibt zwei völlig verschiedene Arten des Bewußtseins; besser vielleicht: der Bewußtheit. Die eine ist diejenige, bei der der Geist des Menschen in großem Betrachten auf alle…

  8. 1927-01-01 · Heft 2 · page 60

    Gemütes beruht: es spaltet sich der Ichpunkt von den Bewußtseinsinhalten, es löst sich ein Blickendes vom Beblickten ab. Aus einer vorher ununterschiedenen Einheit entfaltet sich eine dramatische Spannung. Es geschieht die Aufteilung eines …

  9. 1927-01-01 · Heft 2 · page 61

    Abbiendung des Bewußtseins wieder her. Ja, alle geistigen Funktionen, selbst solche, bei denen ein Wachsein des Bewußtseins geradezu gefordert wird, können durch eine äußerste Integration des Bewußtseins, die zu einer bestimmten Auswucherun…

  10. 1927-01-01 · Heft 2 · page 62

    …elbsteinfügung des Menschen in die wirkliche Welt herstellen. Der Fährmann in Tschuangtses gleichnamigem Gleichnis (von Martin Buber nacherzählt) lenkt sein Boot nur deshalb sicher über die Stromschnellen, weil er das Wasser um sich her „vergißt". Eben…

  11. 1927-01-01 · Heft 2 · page 63

    Erst später stellt sich das Wissen ein, daß es zu spät ist; daß der Rückweg auf ewig versperrt ist. Nimmermehr Ein schreckenvolles Bedauern, ein stöhnendes Heimweh muß unzählige Male bei dieser Erkenntnis des „Zu spät" die Menschheit befall…

  12. 1927-01-01 · Heft 2 · page 64

    hat, haben sie noch den festen, trostlosen und trostunbedürftigen Blick, der in die ungemessenen Weiten des Naturblicks voll hinaussieht. Aber in den Augen alter, weiser Vögel scheint der Ich-Punkt nahe am Aufblitzen. In den Augen der Hunde…

  13. 1927-01-01 · Heft 2 · page 65

    zuklammern. Er soll nicht verschwinden. Er soll stehen bleiben. Er soll das Einzige sein, was das Bewußtsein ausfüllt. Er soll niemals untergehen. Eher soll das ganze Leben um ihn her erstarren, die Welt versteinern, das Strömen einfrieren,…

  14. 1927-01-01 · Heft 2 · page 66

    die eine große Erwachtheit aufzuspielen, an deren Gegenwehr alle lockenden Überredungskünste des Lebens abprallen. Sie sieht alles, was lebt, mit einer frechen, hochmütigen Verachtung an, gleich einem Nüchternen, der kalten Blickes das Taum…

  15. 1927-01-01 · Heft 2 · page 67

    jekt aller möglichen Aussagen hinwegnimmt oder vielmehr in sich verwesen läßt. Die Lage des jungen Menschen, der von der inneren Beblickung befallen wird, ist gerade deshalb so kritisch, weil der Angriff von der einzigen Seite kommt, die er…

  16. 1927-01-01 · Heft 2 · page 68

    Tod ist und Tod wirkt, und ein Beblicktes, das Leben ist, aber von jenem Blick gewürzt wird; ein Ich, das die Macht hat, aber Tod ist, und ein Ich, das lebt, aber keine Macht hat. Dieses Beieinander ist es, was ich die Zersetzung des Ichs n…

  17. 1927-01-01 · Heft 2 · page 69

    Ich sagte mir: Qual, die so sprechen kann, ist keine Qual. Wo noch Gestalt ist, da ist das Äußerste des Leidens nicht erreicht. In alten Opern erklingen manchmal Verzweiflungschöre in Tanztakten; ähnlich steht es um alles Leiden, dem die Sp…

  18. 1927-01-01 · Heft 2 · page 70

    dem ,,Als-Obu dieser Erscheinung, von ihrem lediglich „illustrativen64 Wert verlor. Aber ich lernte damals doch begreifen, daß, wenn eine solche bildliche Empfindung das ganze Bewußtsein ausfüllt, das Eintreten der dazugehörigen Halluzinati…

  19. 1927-01-01 · Heft 2 · page 71

    auf quälende Weise die Auswirkung gewisser erkenntnis-kritiseher Gedankengänge zu spüren bekam, wie sie durch Schopenhauer an mich herangebracht wurden. Anfangs nahm ich die Radizierung alles Seins und Geschehens auf das Wahrnehmen des Subj…

  20. 1927-01-01 · Heft 2 · page 72

    irgendwelcher Art zu Bewußtsein zu bringen, damit wenigstens das Draußen und Drinnen für eine Weile wiederhergestellt wurde. Deutlich konnte ich jedenfalls sehen, daß der solchermaßen exponierte Mensch geradezu seinen „Ort" verliert. Er ger…