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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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satzes aller Kräfte, von denen die alte Kirche bisher naiv gezehrt hat, die aber heute fast aufgezehrt sind und erst wieder von uns geschaffen werden müssen. Liegt nun in diesem allen ein Heraustreten aus dem, was uns verheißen ist? Brechen wir mit der Kirchenlehre? Wir brauchen nur Ernst machen mit der Fülle der Erkenntnis, die in der Lehre eingeschlossen ist, daß Christus auch bei der Schöpfung dabei gewesen sei und nicht bloß bei der Offenbarung. Wir dürfen nicht den 2. Glaubensartikel isolieren, sondern müssen seinen Zusammenhang mit dem 1. und 3. Artikel wiederherstellen. Heute ist es so, daß die Heiden, die Sozialisten den 3. Glaubensartikel in ihrer Weise beschlagnahmen, und die katholische Orthodoxie den ersten. Unsere Aufgabe, ja, was wir allein leisten können, ist, daß wir, nachdem wir in der Leben-Jesu-Forschung und in den Problemen der christlichen Theologie der letzten Jahrhunderte den 2. Artikel ausgeschöpft haben, daß wir nun zusehen, was in ihm selbst darüber hinausweist und ihn verbindet mit den anderen Artikeln. Also die Lehre wird nicht verleugnet. Aber ebensowenig darf verleugnet werden, daß es nur um die Kreatur geht. Denn damit ist klar, daß es sich um das Vorfeld des kirchlichen Glaubens handelt, das wiedergeschaffen werden muß. Wir müssen erst wieder Menschen haben, die die einfache natürliche Theologie aufbringen können. Es gibt gewisse irdische Grundkräfte, die erst einmal funktionieren müssen, ehe sich der Wunderbau einer Menschheitskirche aus ihnen wölben kann. Der Mensch ist heute z. B. so stark verstümmelt, daß er wieder etwas von Konzils-Stimmung erleben müßte. Der konziliare Gedanke der alten Christenheit kann wieder lebendig werden, der spiritus sanctus, der dort, wo zwei versammelt sind in meinem Namen, id quod ab Omnibus creditum est, auch aufbrechen läßt. Zu solchem gemeinsamen Aufbruch müssen wir uns aber erst wieder fähig machen. Wie soll der Einzelne Arbeitsmensch von dieser Glaubenskraft eine Ahnung erhalten, wenn er nicht solche Vorgänge, wenn auch in der bescheidensten, diesseitigen Vorform, in seinem Leben gelegentlich erfährt? Ich muß dem Manne sagen können: Du hast es ja selber erfahrei», daß du einmal in gemeinsamer Not gemeinsam erleuchtet worden bist. Was wir also fordern, ist nur eine Hilfsaktion, nur eine bescheidene Vorleistung als Entlastung der Kirche. Kann ich das nicht, dann ist alle meine Predigt vergebens. Auch die Freizeiten usw. müssen es ernst damit 179

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