Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Erst später stellt sich das Wissen ein, daß es zu spät ist; daß der Rückweg auf ewig versperrt ist. Nimmermehr Ein schreckenvolles Bedauern, ein stöhnendes Heimweh muß unzählige Male bei dieser Erkenntnis des „Zu spät" die Menschheit befallen haben. Wir wissen davon, weil wir alle das Ende einer solchen Frühzeit in uns erlebt haben: als die Kindheit uns verließ. Wir wissen genau, mit welchem Schrecken wir die erste Stichflamme des Bewußtseins in uns aufschießen sahen. Das war nicht anders, als wenn mitten in einer friedlichen Landschaft die Kuppe eines weintragenden Hügels sich vulkanisch gespalten und das „untere Gewitter" als Nacht und Flamme ausgespieen hätte. Welcher junge Mensch hat nicht versucht, dieses Ereignis zu ^vergessen", d. h. es rückgängig zu machen? Wir sanken noch oft in den alten Schlaf zurück, nachdem wir die furchtbare Möglichkeit dieses neuen Wachseins einmal erfahren hatten. Aber immer wieder schraken wir aus diesem Schlafe auf und merkten endlich, daß er uns fortan auf ewig verboten war. Jener eine Augenblick des Erwachens lag w ie eine unsühnbare Schuld in uns, und diese Schuld machte ein argloses Zurückgehen in den vorigen Zustand für alle Zeit unmöglich. Elend, voll Heimweh, mit überwachten, schlafschweren Augen irrten wir um das alte Haus. Die Wärme und der Frieden, die uns drinnen umgeben hatten, lagen noch in unsern Gliedern. Aber die Türen blieben verschlossen, und endlich mußten wir begreifen, daß uns das Eintreten nicht mehr zustand. Der Rabe Nimmermehr saß am First. Dann erst, wenn die Unmöglichkeit der Rückkehr begriffen ist, faßt der Mensch und die Menschheit die neue, große Aufgabe, durch eben dieses Bewußtsein zu einer anderen Ordnung und Unschuld, zu einem neuen Frieden zu gelangen. Der Durchbruch wird fortan nach vorwärts, nicht mehr nach rückwärts angesetzt. Bei aller Fremdartigkeit dieses neu einbrechenden Elementes, des Bewußtseins, ist aber der Gedanke nicht abzuweisen, daß eine Tendenz der Natur diesem naturfeindlichen Erwachen zuzustreben scheint. Wir glauben besonders in den Augen einiger Tiere zu sehen, wie die Natur, wenn auch mit geheimer Furcht, auf das Bewußtsein hinarbeitet. Zwar die großen Katzen, die Löwen, die Tiger, leben noch in voller geschöpflicher Pracht; selbst in der Gefangenschaft, wenn die Trauer sie ergriffen C ' & 185