Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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nehmen, das eigentlich kirchliche Werk von Dingen zu befreien, die es nicht leisten kann. Man faßt die Menschen nicht mehr, kann sie auch nicht durch Vereine usw. mehr fassen, sie laufen weg, weil sie krank sind, ungläubig sind, an sich selbst ungläubig sind. Sie sind schon vorher ungläubig, nicht bloß in kirchlichen Dingen, ungläubig auch in den Instinkten des eigenen Lebens, beim Heiraten, Kinderkriegen, bei der Berufswahl. Mehr und mehr nimmt der Mensch diese Beziehungen ohne persönlichen Gewissenseinsatz, als bloß sachliche Vorfälle, an. Nun handelt es sich darum, diese merkwürdigen Beziehungen zwischen Arbeitswelt und geistiger Welt wiederherzustellen, damit die Kirche wieder ein Echo findet. Daher kommt es auch, daß der Begriff Arbeitsgemeinschaft so wichtig wird. Ganz unkirchlich, untheologisch muß der Arbeitsmensch seine Arbeit als Spiel vor seinem Schöpfer tun lernen. Es ist eine Entlastung des Theologischen notwendig, indem all die natürlichen Glaubenskräfte erst einmal gepflegt werden müssen. Dann kommt alles von selbst. Vom Rande des irdischen Kreislaufes vergänglicher Kräfte wollen Stimmen laut werden, die dem in der Mitte ruhenden ewigen Schoß ihre irdische Arbeit in aller ihrer Vergänglichkeit spielend darbringen als kindlichen Dienst. Ein geschöpflieber Gegenspieler der übernatürlichen Kirche will die natürliche Arbeit werden, die Adam nicht länger allein tut, sondern die ab omnibus, die ubique, die Semper von uns als den Gliedern der Erde und als den Führern des Reigens ihrer Kräfte zu vollbringen ist. Die Tafel der Werte, in der die Arbeit das höchste Gut zu wTerden drohte, zerbricht. Die Arbeit ist ein Fluch. Und es versteht sich nicht von selbst, sondern es ist unsere Aufgabe, sie in Segen zu verwandeln. 180