Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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hat, haben sie noch den festen, trostlosen und trostunbedürftigen Blick, der in die ungemessenen Weiten des Naturblicks voll hinaussieht. Aber in den Augen alter, weiser Vögel scheint der Ich-Punkt nahe am Aufblitzen. In den Augen der Hunde ist eine Unruhe zu sehen, als hätten sie die Mögüchkeit einer großen Katastrophe, wie sie das Aufleuchten des Bewußtseins ist, einmal von ferne geahnt. Gerade das, was man dem hündischen Charakter manchmal zum Vorwurf macht, die unsauber wirkende Gebrochenheit seines Tierwesens, scheint dafür zu sprechen, daß die Natur in solchen Geschöpfen ein geheimes Gelüste nach einem Jenseits ihrer selbst auslebt. Ein gleichsam vorwitziger Drang zum Weiterschreiten treibt sie dem Bewußtsein entgegen, als habe sie einen Begriff davon, daß da ihre Grenze Hege, an der sich ihr uferloses Streben brechen darf. Hier ahnt sie das Glück des Widerstands, der zugleich die Fassung bringt. Hier sieht sie endlich ins andere Reich hinüber. Während die Kreatur, die sie endlich ins Bewußtsein hineingetrieben hat, ihre Qualen erduldet, hält sie, die Mutter, feiernd still und überblickt ihren ungeheuren Weg. Der Kobold Mir hegt nun daran, im Dienst des eigenen Lebens wie insbesondre auch der Nebenmenschen, ein autobiographisches Material auszubreiten, das zum Eintreten der „Bewußtheit" in mein eigenes Leben gehört. Ich wurde ihrer eines Tages gewahr als eines peinliehen, koboldischen Ich-Gefühls, das sich von allen mir bis dahin bekannten Bewußtseinszuständen gründlich unterschied. Es sprang aus sämtlichen Bedingungen des Lebens mit einem Ruck heraus und setzte sich mit einer Unbelehrbarkeit ohnegleichen gegen sie zur Wehr. Es wehrte sich vor allem gegen den Ablauf der Zeit. Gemeinhin werden Gedanken, Vorstellungen und Gefühle von den abrollenden Minuten an uns herangetragen wie Schiffe, die auf einem fließenden Wasser schwimmen. Wir sehen sie kommen, fassen sie ins Auge, lassen sie vorüberziehen und wenden uns arglos den kommenden zu. Der Inhalt des Blickfeldes wechselt unaufhörlich, ein Bild verdrängt das andere, und wir lassen diesen Wechsel als ruhig Schauende geschehen. Jenes koboldische Bewußtsein aber setzt sich gegen das Fließen und Ziehen der Bilder zur Wehr. Es fällt ihm plötzlich ein, einem Gedanken, wie ein Raubtier dem Wild, ins Genick zu springen und sich mit einer tollen Wut daran fest- 186