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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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heute auch als Erlösungsträger aufgegeben. Die sollen richtig erschlossen und geformt werden. Daher kommt nun die ganz neue Bedeutung jener urkirchlichen Elemente, von denen Luther einfach naiv gezehrt hat. Die Kräfte der alten Kirche waren: Mission, Sakrament, Dogma, Schrift. Wenn nicht der Mann in uns, nicht der bewußte Geistträger, sondern die Kreatur angeredet wird, gilt es heute nicht den Menschen vom Bekenntnis her zu kriegen, sondern eine neue Missionsarbeit der Kirche tritt in den Vordergrund; es gilt seine Bildsamkeit zu schützen. Man muß sich klar werden; muß man einen Menschen von der männlichen Bekennerseite kriegen, oder muß man ihn erst seeüsch bilden? Aber nicht bloß für die Jugend gilt das, auch für die Erwachsenen; die ruhenden Kräfte der Kirchenjahrgestaltung, von denen bisher einfach gezehrt werden konnte, werden heute aufgerufen zum Wieder-Eins atz. Ähnlich wie die alte Christologie und die alte Kirche müssen auch wir wieder in das Ungeformte hinuntergreifen, müssen die Menschen von allen Seiten her formen, damit sie ihr menschliches Angesicht, ihre Gottesebenbildlichkeit behalten. So hängt das zusammen, weil die Arbeit geleistet wird von unserem Esel und nicht von unserem richtenden Verstand, nicht mehr von uns als Vernunftwesen, sondern von uns als Arbeiter, deswegen muß auch an uns erst herangetragen werden alles, was uns bekleidet als Kreatur. Die Frauen sind eben deshalb noch besonders zu kurz gekommen in der Männerordnung der Dinge. So erklärt sich auch die Gestaltung der Frauenbewegung. Zwei Dinge sind in ihrer ganzen Wichtigkeit deutlich: Die Arbeit selbst steht heute zur Debatte, weil sie nicht mehr unter der Hand geschieht; das andere, das sich daraus ergibt, ist, daß aus diesem Aufbrechen der Arbeitsfrage als solcher sich die Ablösung von der Berufsfrage ergibt, weil der Mensch als Kreatur von den Gesetzen der Arbeit zerrissen zu werden, pausenlos und heimatlos zu werden droht. Daraus erwächst die Missionsaufgabe. Die Lage befällt die ganze Menschheit. Bei uns Deutschen ist sie am akutesten. Deutschland ist da viel interessanter als China. Nur bei uns zerbricht die ganze Tafel von Staat und Wirtschaft, während sie in China erst heut aufgerichtet wird. Deswegen, weil bei uns diese Heimatlosigkeit und Rhythmuslosigkeit der Arbeit zum Gesetz eines ganzen Volkes wird, deswegen wird nun plötzlich aus dem etwas fernen Reich-Gottes-Gedanken diese ganz nahe dringende Situation des Ein- 178

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