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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
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eine mächtige Rolle zu spielen. Im zweiten Artikel leben auch dafür wichtige Kräfte, die christologischen, die der Logoslehre. Denn wenn eben der Mensch von vornherein unter dem Logos steht, so folgt daraus, daß der Geist sich den Körper baut, daß der Mensch ständig weitergeschaffen werden kann, wie wir es bei der Natur draußen nicht ohne weiteres empfinden. Wie stark uns das verlorengegangen ist, zeigt der Haeckelstreit. Die Frage, wie alt der Mensch ist, hat ja nur Sinn, wenn der Mensch nicht auch heute noch geschaffen wird. Man nimmt dann an, nur Gottvater habe den Menschen geschaffen so wie die Natur; nein, Christus hat ihn mitgeschaflfen. Irgendwie aber muß verheißen sein, was heute geschieht; deswegen ist im Dogma selber ein Fortgang angelegt über das Zeitalter von Gesetz und Freiheit hinaus, nämlich aus Kirche in Reich Gottes. Diese Verheißung ist um so dringlicher, je böser der Alltag. Und was sehen wir heut als Alltag? Nicht nur, daß die Arbeit an sich mechanisch, leblos, sachlich geschieht, weil der Beruf Gesetz wird; die Arbeit wird auch w illkürlich, maßlos, ordnungslos, weil die Wirtschaft gesetzlich wird. Es entsteht eine Spannung zwischen Wirtschaft (Beruf) und Arbeit. Die Arbeit kennt keinen Rhythmus und kein Ende. Aber noch etwas geschieht ihr, das uns alle schwer trifft. Gerade bei der Kirche will ich es zeigen. Die Arbeit wird nicht bloß rhythmuslos, sondern auch heimatlos. Auch das ist eine Revolution. Der Beruf schafft Heimat. Der preußische Jurist hatte immer seine Heimat unter seinen Kollegen, der Pfarrer in seiner Gemeinde, der Bauer aber hatte Heimat durch Bodenständigkeit. Er starb an demselben Ort, wo er geboren war. Man richtete seinen Hausstand ein an der Stelle, wo man zu bleiben gedachte. Freizügig waren also nur die geistigen Berufe, die statt der räumlichen Heimat eine geistige Heimat fanden in ihrem Stand. Es gab eine geistige Heimat im Berufsstand, in der Kollegenschaft, und eine sinnlichräumliche Heimat für die anderen Volksschichten. Heute ist für beide Stände, für die Gebildeten und Ungebildeten, für die Akademiker und Nicht-Akademiker die Heimat in Auflösung begriffen. Man kann sich auf C c? die Kollegen nicht mehr verlassen. Früher war der Kollege noch nicht der Todfeind. Das Verhältnis war wirklich schöner und echter. Die Kollegialität verschwindet überall dort, wo an Stelle der Berufstätigkeit blasse speziale Arbeitstätigkeit getreten ist. Solange ich in meiner Fakultät mit zehn Professoren zusammen bin, die dasselbe gelernt haben und dasselbe 175

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