Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 3 · page 35

    gegeben. Dem der Rabbinismus, im ,Umzäunen6 des Gesetzes schon vorgearbeitet. Vergebens, daß moderne protestantische Theologie vom Begriff der Geschichte aus will die Theopneustie humanisieren: Geschichte, auch als Geschichte der Erlösung, …

  2. 1926-01-01 · Heft 3 · page 36

    unphilosophisch, Zielgerade in der christlichen Prophetie, die den jüdischen Nomismus als dinghaft ablehnt. Ich sage: Nomismus; denn hier, in seiner Unmessianität, in der Herabdrückung des Messias zu einer bescheideneren Rolle als das A und…

  3. 1926-01-01 · Heft 3 · page 37

    4. Wie Michelangelo den Propheten Daniel gemalt: das Weltbuch auf den Knien, mit der einen Hand gefaßt, in mächtigem Schwung aber die andere und das Haupt, auf dessen Stirn die Erfülltheit von der Lesung des Buchs arbeitet, auf die Jenseite…

  4. 1926-01-01 · Heft 3 · page 38

    Menschen (they); dann bleibt zu fragen: wo und worin?, in welcher Person, in welcher Schönheit von ihr? Man verdirbt das feine Doppelgeweb der zwei die zwei Glieder des ersten Entweder-Oder darstellenden Verse und dieser anderen Zwieteilung…

  5. 1926-01-01 · Heft 3 · page 39

    spiration. Für Un-Inspirierte gibt es kein inspiriertes Schrifttum; gibt es überhaupt kein Schrifttum von Wert. Heilige Schriften sind nicht Sache sachlichen Betrachts. Sondern jedesmal Lebensarbeit, Arbeit ums Leben. Wahres Wort gibt sich …

  6. 1926-01-01 · Heft 3 · page 40

    nur lesen wollen in Verantwortlichkeit für die Welt: die Frage, ob nicht der Dichter der andere Prophet, berufen, nicht das Was - das Wie des Sagens zu verwalten? - die Forderung: daß jeder so Dichter sein solle! Was zu verstehen ist vor al…

  7. 1926-01-01 · Heft 3 · page 41

    diese Faktischen, diese iJrutalisten - mit den zagen Gehorsamenden ihrer Willenswut - waren die Beute von Worten, die in ihre Seele eindrangen: von eben den Worten, mit denen sie in die Seelen der zu Unterwerfenden wollten eindringen; oder …

  8. 1926-01-01 · Heft 3 · page 42

    wollen wir nicht völlig verkommen, die letztgebliebene Form, die Sprache, zum Grund unserer Bildung zu nehmen. Was wir werden zu sagen haben, wird sich erst finden, wenn wir lernen, wie zu sagen uns ziemt. Das ist des Kindes Gang - und der …

  9. 1926-01-01 · Heft 3 · page 43

    gegenzusagen der Anlaß auch unserer Sonette genehm. Worüber weiter aber an anderem Orte verhandelt werde, noch wuchtiger und heischender! Wir rückkehren zu unserem 59ten Sonett, zu seinem Schluß. 6. Der Vergangenheit gerecht werdend - auch …

  10. 1926-01-01 · Heft 3 · page 44

    FRITZ KLATT WISSEN, DENKEN, SPRECHEN In der geistigen Welt ist das Denken nach zwei Seiten begrenzt und eingeengt. In der Tiefenlage durchdenken wir eigentlich weniger als wir wirklich wissen. Wir scheuen uns, unser Wissen gedanklich zu bew…

  11. 1926-01-01 · Heft 3 · page 45

    schiebt sich notwendig die Durchdenkung, die Denktätigkeit, also die unablässige geistige Arbeit. Weil unsere Denktätigkeit nicht tief genug wurzelt und nicht weit genug herauf reicht, sind ja unsere Worte heute so wesenlos geworden und ble…

  12. 1926-01-01 · Heft 3 · page 46

    arbeit heute schon sucht, ist die vielteilige Aufgabe der Zukunft, zu der alle Zeitgenossen nach dem Maß ihrer geistigen Kräfte verpflichtet sind. Von dieser Aufgabe der Tiefenverbindung soll hier zunächst gesprochen werden. Das tiefst grei…

  13. 1926-01-01 · Heft 3 · page 47

    seien, könnten jetzt nun gestürmt werden, wie vor kurzem die Königsschlösser oder die Fabriktore oder die Sparkassen und die Banken. Um dann im Besitz dieses Wissens und der Macht, die dadurch - so glaubt man - erreicht wird, die politische…

  14. 1926-01-01 · Heft 3 · page 48

    Zeit zunehmende Bewußtheit, als steckte darin das Übel, das den Alternden starr werden läßt. Die Furcht ist unbegründet. Denn der Trieb zu wissen, solange er im Wachstum ist, kann nicht alt machen. Erst der zur Schau gestellte Besitz eines …

  15. 1926-01-01 · Heft 3 · page 49

    schule eingedrungen. Und bewirkt dort, daß kein Einzelner mehr die immer weiter geteilten und getrennten wissenschaftlichen Fächer der Schule mit dem, was er selbst täglich tut, schaut und erfährt, und also von sich aus weiß, zur Deckung zu…

  16. 1926-01-01 · Heft 3 · page 50

    etwa den Schüler selbst wissenschaftlich nachprüfen, wie z. B. eine Radioanlage entsteht und welche Naturgesetze sich da nutzanwenden lassen. Gerade diese neue Bestrebung in der Schule, die aktuellsten Errungenschaften der Gegenwart wissens…

  17. 1926-01-01 · Heft 3 · page 51

    Jünger darüber im unklaren zu lassen, daß jede geistige Erfahrung nur unerzwungen gemacht wird, daß jede geistige Entdeckung und Erfindung immer nur im Anschluß an die Förderung der Kräfte aus der eigenen Wissenstiefe gelingt. Sie muß den e…

  18. 1926-01-01 · Heft 3 · page 52

    Denken hat eine doppelläufige Bewegung. Einmal taucht es ins eigene Wissen unter und dann wieder führt es vom Wissen aufwärts zu sprachlichem Ausdruck. Diese geistige Doppelbewegung bleibt in ihrem nach unten strebenden Kraftstrahl unaufdec…

  19. 1926-01-01 · Heft 3 · page 53

    eigenen Gedankengänge in ihrer oberen Gedankenbahn. Selten ist die dritte Art, das vollständige Denken in ausschwingender, doppelläufiger Kurve. Weil die beiden ersten Arten des Denkens so sehr viel häufiger sind, ist es erklärlich, daß sie…

  20. 1926-01-01 · Heft 3 · page 54

    des Denkens möglich, die also die schon gedachten Gedankengänge nicht so ohne weiteres in ihrer wortwärts gerichteten Bahn wiederholt, sondern sie eintauchen läßt in die Tiefe des eigenen Wissens und Gewissens. Welche Veränderung erleidet n…