Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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etwa den Schüler selbst wissenschaftlich nachprüfen, wie z. B. eine Radioanlage entsteht und welche Naturgesetze sich da nutzanwenden lassen. Gerade diese neue Bestrebung in der Schule, die aktuellsten Errungenschaften der Gegenwart wissenschaftlich klarzumachen, den jungen Menschen in solchem Fall das wissenschaftliche Rüstzeug selbst anwenden zu lassen, was ist dagegen einzuwenden? Haltung fehlt da, Haltung den technischen wie den geistigen Wirklichkeiten unserer Zeit gegenüber. Die technischen Wirklichkeiten sind viel zu gewalttätig, als daß ihnen durch wissenschaftliche Begründung beizukommen wäre. Und die geistigen Wirklichkeiten sind so mühsam zu suchen und zu finden, daß jede Aufspeicherung des Stoffes die erforderliche Auswahl nur erschwert. Die meisten Menschen sind heute schon in der Kindheit allein technisch interessiert. Sie fragen nicht nach Gründen, sie wollen mittun. Diese müßten also in die Arbeitsstätten, nicht um dort Arbeit zu leisten, vielmehr um dort lernend mit dabei zu sein. Das ist dann nicht Wissensschule, sondern Arbeitsschule. Die anderen, die wenigen anderen aber können sich unmöglich an der Nutzbarmachung einer Wissenschaft in diesem oder jenem einzelnen Fall begeistern. Noch weniger können sie mit der Aufspeicherung der Wissensschätze für alle vorkommenden Fälle zufrieden sein. Sie wollen die Gesetze selbst finden lernen, um damit ihre eigene Wissenstiefe zu erschließen, und das ist viel mehr und viel Umfassenderes als auf den Schulen geboten werden kann. Also gerade die Reformidee, angewandte Wissenschaft auf der Schule zu treiben, ist fragwürdig. Dieser Ausweg ist nicht radikal genug, weder für die Mehrzahl der praktisch Begabten, noch für die Minderzahl der theoretisch Begabten. Die zukünftige Wissenschaft muß den Mut aufbringen, einer praktisch begabten Mehrheit der Jugend nichts mehr vorzugaukeln und einer theoretisch begabten Minderheit der Jugend Führerdienste zu leisten. Diese Führung zum wissenschaftlichen Denken kann sich weder von der sofortigen Ausnützungsmöglichkeit ihrer Ergebnisse weiterhin leiten lassen, noch auch sich weiter der Sammeltätigkeit hingeben. Allerdings wird auch diese Wissenschaft sorgfältig Einzelforschung treiben, aber ohne viel Wesens davon zu machen, wie es sich für gute Denktechnik gehört. Sie wird auf das letzte Ziel des Wissens lossteuern, ohne ihre 296