Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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unphilosophisch, Zielgerade in der christlichen Prophetie, die den jüdischen Nomismus als dinghaft ablehnt. Ich sage: Nomismus; denn hier, in seiner Unmessianität, in der Herabdrückung des Messias zu einer bescheideneren Rolle als das A und O der Gottweltschrift zu sein, legt das Judentum der Thora allerdings den Gesetz-Charakter bei, den die Nicht-Einsicht der Christen fälschlich als einer Gebote-Sammlung überhaupt ihr beilegt; nur letzten Endes, insofern als die Thora eben Thora bleiben soll und der Leib ihrer Schrift nicht der Menschgottesgeistleib soll werden, hebt das Judentum die Schrift nicht über die Grammata heraus zu dem Ganzen, das - oder vielmehr nun: der - über den Buchstaben steht, und nicht nur geistig - das wäre ein sachliches ,geistig4, das es nicht gibt —, sondern als ihre persönliche Einigung steht. Das ist es, was Jesus nach dem Johannes-Evangelium (V, 39) den Juden vorhält: „ihr forschet die Schriften, denn ihr setzt als Glaubensgesetz (als Dogma, öoxtirt), in ihnen Welt-Ewe-Leben zu haben (Z(m/i> aiorior), und jene sind es, die Zeugnis geben von mir". Dieser letzten umfassenden Welt-Gott-Person in seiner Schreib-Lese- Arbeit zwar nicht gedenkend, hat Shakespeare doch Richtung auf Person treu-christlisch gewahrt, und zwar auf solch eine, deren Neuheit das Alte - die Alten, die Personen früheren Ringens - nicht verwirft etwa, sondern bestätigend erfüllt. Das ist der tiefste Sinn seines ,labouring for invention4, seiner Geburtwehen um auszutragen schon geborenes Kind. Treu-keusch hat er die Mittel-Richtung gehalten zwischen Theurgie und Passivität, auf der ihm beschiedenen Hilf- und Nebenlinie der Erschreibung des schönen Menschenkinds. Das dann anderen, nicht ihm, Prophezeiung sein mag des „Schönsten der Menschenkinder", den die messianische Deute des Psalmes vorsieht; und, überhaupt, auf die, im ethischen Rigorismus den Christen-Gewissen abhanden gekommene, Herrlichkeit der Schönheit in dem vollendet sich offenbarenden Leib. Shakespeare hat sein Ja! zu dem Wunder gesagt, das ihm Herz und Auge beglückt, nicht aus anmaßendem Gefühl, sondern in harter Schärfe nach objektiven Werten zum Behuf des Vergleichs: nach ähnlich schön vom Geist je geschaffenen Lebendigen. So hat er Leben aus Leben gezeugt; nein, nicht er gezeugt; sondern vom Vater Geist sich es einzeugen lassen und ihm es geboren. 282