Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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arbeit heute schon sucht, ist die vielteilige Aufgabe der Zukunft, zu der alle Zeitgenossen nach dem Maß ihrer geistigen Kräfte verpflichtet sind. Von dieser Aufgabe der Tiefenverbindung soll hier zunächst gesprochen werden. Das tiefst greifende Merkmal menschlichen Wesens ist sein Bewußtsein, sein Wissend-Sein. Auch alles, was heute etwa noch in der seelenkundlichen Fachsprache Unbewußtes oder Unterbewußtsein genannt wird, als wäre es von dem Bewußtsein getrennt, gehört doch auch noch zu dem wissenden Untergrund menschlichen Wesens. Freilich, was dem einem schon früh bewußt wird, bleibt dem anderen lange, vielleicht gar lebenslänglich dunkel. Er kommt nicht heran. Was ist Wissen? Das unmittelbar umfassende Anschauen dessen, was geschieht und zugleich das durchdringende Erkennen und Anerkennen der Ursachen davon. Weil die Bewegung und Wandlung des Lebens durch all seine Gestalten hindurch von dem Wissenden nicht nur in seinen Zusammenhängen schweigend geschaut, sondern zugleich auch in seinen Gründen wertend erfaßt wird, bekommt das daraus erwachsende Denken von vornherein die Richtung aus der schweigenden Schau heraus zur bewegenden Tat. Denken ist da Hebearbeit, Förderarbeit, Entwicklung aus der eigenen Tiefe. Das widerspricht der heute gültigen Vorstellung von der Erwerbung des Wissens als der Aneignung von eigentlich fremdem Wissensgut, mit dem man sich gewissermaßen nur bereichert, sofern man selbst nicht viel hat oder doch eben nicht zu dem eigenen Wissen durchgestoßen ist. Die uralten Raubgelüste sind hier in der Lust nach dem geistigen Eigentum verborgen, aber eben durch diese Übertragung unsinnig geworden. Denn Geistiges ist eben nicht mehr Eigentum, kann deswegen auch nicht geraubt, nicht fortgenommen werden. Man kann sich auch nicht damit bereichern oder davon ausgeschlossen werden, sondern es liegt offen zutage oder bleibt geheim, genau so viel, wie die einzelnen Menschen, Stände und Völker es bemerken und es aus sich her auf befördern. Diese versteckte Raubvorstellung bei der Aneignung von Wissen verunklärt und verfälscht heute noch das Streben nach Wissen, das in großen Schichten des Proletariats sich gegenwärtig elementar Durchbruch verschafft. Man glaubt das Wissen, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung, die so lange von den Machthabern, Nutznießern und Handlangern des Kapitalismus dem arbeitenden Volke vorenthalten on.7 Zyl