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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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diese Faktischen, diese iJrutalisten - mit den zagen Gehorsamenden ihrer Willenswut - waren die Beute von Worten, die in ihre Seele eindrangen: von eben den Worten, mit denen sie in die Seelen der zu Unterwerfenden wollten eindringen; oder die sie aus deren Seelen wollten verdrängen. In die Geleise von Worten verfing sich der wütende Wille, in denen er entgleiste; in denen wie in Tobsuehtzellen seine Wut sieh ausraste bis zur Verohnmächtigung. Die eigen-gezimmerten Partei-Worte kriegten Gewalt über sie; mit Schlagworten schlugen sie um sieh und sehlugen sieh selb; und dazwischen läuteten andere große aber irr umhergestoßene Worte ihnen in Ohren und Herz Krieg und Frieden, Angriff, Flucht, innere und äußere Umstellungen und Kämpfe-Worte wie: Vaterland, Ehre, Freiheit, Ordnung, Macht, Arbeiter, Revolution, Frauenrecht, Nervenschwäche, Pflicht, Interesse, Daseinskampf, Energie usw. Keines dieser Worte sinnlos - keines selb der üblen Schlagworte; ganz sinnlos ist überhaupt kein Wort; - keines dieser dennoch nicht sinn-verwirrend. Weil für keines sein Ort untersucht, festgestellt ist: seine Stelle im Schriftbuch. Drittens: Uns Deutschen hat Gott unsere unsauberen Losungen - unsere besonders unsauberen - und dies ganze unsaubere Worte-Gefälsch jetzt um die Ohren geschlagen: jetzt wuchern die anderen Völker damit, um unsere Falsch-Macht an sich zu reißen. Unsere Heer-Macht zerbrochen, unsere Staatmacht verlebt, unsere Wirtschaft gedämpft: wollen wir noch nicht begreifen, daß Gott uns zumutet, wahrere Macht zu erbaun? Zu der uns in der Sprache das Mittel ist gegeben, das kein Feind nehmen kann - dem, der es ehrt! Dem kein Feind widerstehen kann, sondern jeder beugt sich als Freund, wenn Macht von Sprachleben Geistform gebiert. Das Volk der Dichter und Denker - nein, in dem Sinn wie wir es hießen, wollen wir es nicht werden; dennoch: die deutsehen Träumer ahnten, was wir klären sollen. Damit das Wort Herr werde, das aus Seelen- AI ühn vom Geist der Gnade gelandete Wort, und nicht mehr wie jetzt zum Knecht verstoßen - zum feilen oder unwissenden seines Tuns -, haben wir aller alten Worte und Berufungen uns zu entschlagen und ganz von vorn zu suchen: wie sprechen wir wahr? wie sprechen wir, was der Sinn unsrer Sprache, unsres Sprechens? wie dichten wir uns in die sprechsame Gewalt von Losungen weltverjüngender Kraft? Vergebens, auf wissenschaftlichem Wege neue Inhalte erdenken zu wollen! damit reiben wir die Altworte nur gegeneinander ganz tot. Wir formloses Volk haben,

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