Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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gegenzusagen der Anlaß auch unserer Sonette genehm. Worüber weiter aber an anderem Orte verhandelt werde, noch wuchtiger und heischender! Wir rückkehren zu unserem 59ten Sonett, zu seinem Schluß. 6. Der Vergangenheit gerecht werdend - auch sie hat Witz; Witze sogar (wits): die der mehreren Zeiten, der Mengen Betrachter und die fünf Witze damaliger Schulpsychologie (gemeinen Verstand, Vorstellkraft, Phantasie, Urteilkraft, Gedächtnis); auch sie stand im Tag (daxs) - zurückweist der Dichter jetzt den Anspruch auf Vergänglichkeit auch des ersiegteu Glücks. Jenes Entweder-Oder hat sich entschieden zu solchem Seelen-Triumph, daß der Dichter auch das hohe Kind seiner Dichtung zu Füßen sieh sieht: das zu Ewigung seiner Zeit neuzugefallene Bild des schonen Freunds ihm unterworfen als bloße Vorlage, als Ted des Stoffs (subjects), den er selb, nein: der Geist, der zu Anfang in Typen sich ergab (erinnert dies at first des Verses 8 nicht den Anfang des Johannes-Evangeliums?), nun übersieht im Plan der Geschichte, die den bewundernden Preis wiederholt, aber den Gegenstand nicht. Der ein sehlechterer ehdem wahr (die Betontheit des ivorse durch die Nachstellung hinter das Hauptwort, die im Deutschen nicht übersetzbar, sei angemerkt!). Er aber, der Dichter, sinkt entzückt nieder abermals vor der Tracht, die er selb ausgeboren und übersieht - als vor dem Wunder, das er über sich sieht. Solches ist Shakespeares Preislied auf seinen Freund, darin \ on dem Freund am wenigsten die Rede: nichts von seinen Eigenschaften, nicht Leibes noch Geists. Aber wie Dante Beatriccn aufs höchstliche \ erklärt nicht durch was er von ihr sagt, sondern daß er um sie sagt all sein gottlich zu Sagendes - er freilich sie überpersönlichend auch zur Vertreterin von Liebe, Philosophie, Seligkeit, ja von der Menschheit Vollendung -, so, der Form, nicht dem Umfang nach, malt Shakespeare den Freund nicht-malend, sondern durch Vorweis des Kampfs, den der Freund ihn gekostet, daß er, der Dichter, die Zeit vom Freunde abstreife. Auf diesem Umweg des Kampfs wider Zeit - hat er ihn uns da nicht so eingeboren, daß in all seiner Schöne der Freund unser gew orden ist, uns ewige Gestalt? 289