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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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spiration. Für Un-Inspirierte gibt es kein inspiriertes Schrifttum; gibt es überhaupt kein Schrifttum von Wert. Heilige Schriften sind nicht Sache sachlichen Betrachts. Sondern jedesmal Lebensarbeit, Arbeit ums Leben. Wahres Wort gibt sich nur an Diener am Wort. Das sind nicht die Kanzlisten, die es in irgendwelche ehrwürdigen Akten begraben, sondern jene Geburthelfer sokratisch-shakespearescher Art, die vorgeborenes Kind neu erheben in der gleichen Hebammenarbeit, die vordem es ausbrachte. Kein neues Wort läßt sich sagen auf Erden außer als veraltetes, abgängig machendes, oder es ist solchermaßen verneut. Weder angeht es, auf den Buchstaben zu pochen, noch auf den Geist. In uns und aus uns gestaltende Schrift, deren unser Blut die Tinte, unser Leben der Stil, muß werden das, was Schrift war und sein soll. Jede Schrift bricht Schrift, die sie neugebiert-jede, die aus Geists Vaterschaft Menschen-Mutterleib bricht. Dichten heißt: den Welt-Bann sprechen und brechen, und die Sage dem Logos zu-sagen, der in sein Wort alles er-füllt. Keine heiligere, wichtigere, mühseligere Arbeit als solches Dichten. Das freilich von dem, was heute gefühlige Versler so nennen, so verschieden ist wie Zucht des Gebets — das ein Forschen, Anheften, Einsehn, Abtun, ein Stürmen des Himmelreichs und demütiges Warten zugleich ist, oder etwas wenigstens dieses Geistes hat, und das auch die Zucht kennt, sich nicht los zu enthauchen, sondern den Geist-Atem in Schrift-Guß zu festigen. - wie diese Zucht absticht gegen die Selbverliebtheit verworrener Schwäche, mit der eitel Seele, Heiles und Heilandes gerne vergessend, W orte zu halbem Dienst zu brauchen sich erlaubt: zu verbrauchen zu Mitteilungen, die nur teilen, nicht sammeln, nicht tei'nehmen noch -geben sollen an der Welt- Neugeburt. Sich erlaubt, dem Mißbrauch des Wortes gar Bestand geben zu wollen durch Mißbrauch der Schrift. Schon der Welt Bestand aber, geschweige ihre Krönung, abhängt von den Wehen Wort-gebärender Arbeit. Von dem Einguß zeugenden Geists in Tafeln des Gebots, als die auch die fleischernen des lebendigen Menschen, ja die schlechthin der Mensch sind. Keine verachtetere Arbeit nach dem rohen Büs-Willen, der diesem Säkulum eignet. Das den Dichter für den Nachtisch-Spaßmacher erklärt, den ernsten für den Ankitzler zu guter Verdauung. Für den Zeitvertreiber müßiger Leute und Stunden. Ihnen in das freche Antlitz richten wir die ihnen freilich lächerliche Frage und Forderung - richten sie in Wahrheit an die, die auch eine Studie wie diese, über eines großen Dichters Gedichte,

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