Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 3 · page 55

    auftauchende Denken macht licht. Zusammenhänge von vorher unbekannter Art werden erhellt. Und das Fernste kann mit dem Nächstliegenden in klar sichtbare Verbindung treten, und dadurch eben plötzlich begreiflich werden. Das in die Gründe des…

  2. 1926-01-01 · Heft 3 · page 56

    lassen droht, der verfügt noch nicht in vollem Maße über die Verjüngungskraft der Erinnerung. Die Gedächtniskräfte werden einseitig überzüchtet, schon vom kindlichen Schulalter an. Man lernt nicht vergessen. Das Kind darf viel zu wenig verg…

  3. 1926-01-01 · Heft 3 · page 57

    lassen dann die Politik, Gesetzgebung und Rechtsprechung eines Volkes immer weit- und lebensfremder werden, so daß eigentlich jeder merkt: es stimmt gar nicht mehr. Wissenschaft, Dichtung und Kunst laufen in ausgefahrenen Gedankenbahnen ode…

  4. 1926-01-01 · Heft 3 · page 58

    MARIE LUISE ENCKENDORFF ZUR FRAGE DER ERZIEHUNG Bruchstücke Wir sprechen viel von Erziehung und experimentieren mit Erziehung. Wohin erziehen wir? Uns fehlt die Grundbedingung aller Erziehung. Man spricht viel vom Menschen, man bekümmert si…

  5. 1926-01-01 · Heft 3 · page 59

    sie haben das Gesetz zu hüten und zu repräsentieren, ein objektives Gesetz! - ob das in harter Form geschieht, ist hier eine beiläufige Frage - und das Kind hat sich zu unterwerfen, zu verehren und zu gehorchen. „Wer sein Kind lieb hat, züc…

  6. 1926-01-01 · Heft 3 · page 60

    schützendes Einverständnis der Menschen da sein muß. Es ist der Boden aller Erziehung, daß etwas da ist, was Erzieher und zu Erziehender gemeinsam verehren. Es sind die bestimmten in Mißkredit gekommenen und gefürchteten Worte, zu denen man…

  7. 1926-01-01 · Heft 3 · page 61

    Gefühl für objektive Gesetzlichkeiten, für Gesetze, die nicht \ erletzt werden dürfen, abgesehen von allem Praktischen, die kein praktisches Absehen haben, wird damit nicht erzogen. Bürgerlich erziehen! Zu Menschen erziehen! Wirklich entsch…

  8. 1926-01-01 · Heft 3 · page 62

    kann, vorsichtig und von reifen Händen angefaßt werden muß. Tun es die Erzieher nicht, so tut es der Zufall. Unreife und Reifen statuiert man doch, da man von Erziehung spricht, statuiert jeglicher, der überhaupt von Erziehung spricht. Man …

  9. 1926-01-01 · Heft 3 · page 63

    und lebendig gehandhabt, ein vorzügliches Mittel, einen jungen Menschen in sich zusammenzuhalten, seine Kräfte zu sammeln und ihn zum freien Menschen vorzubereiten. „Wer Bedingung früh erfahrt, gelangt bequem zur Freiheit; wem Bedingung sic…

  10. 1926-01-01 · Heft 3 · page 64

    Das ist auch nicht eingehen auf das Kind, das etwas Bestimmtes und etwas Einfaches sehen will. Wir Heutigen haben keine Dogmen; wir können nur endigen, aber nicht anfangen. - Dem Kind ist gestattet, was dem Erwachsenen nicht gestattet ist: …

  11. 1926-01-01 · Heft 3 · page 65

    ein sehr junges Kind auch in unserer Zeit fast immer noch hat (das heut das „Volk" in seinen guten Exemplaren eher hat als die „Gebildeten44, ein böses Zeichen für unsere Bildung). Das Intellektchaos weiß nichts von dieser Scheu. - Man muß …

  12. 1926-01-01 · Heft 3 · page 66

    Der Mensch kann die Tradition, das menschlich Erworbene vergangener Jahrtausende weder völlig abreißen und immer wieder völlig im Leeren beginnen - noch kann er als Rentner davon leben. (In der politischen Ebene pflegen Linksparteien das ei…

  13. 1926-01-01 · Heft 3 · page 67

    Erfahrung, wie schön es ist liebevoll zu sein, wie beglückend der eigene liebevolle Zustand ist, grade indem es die Gabe bringt, indem es sie freundlich darreicht; auch an dem Widerschein bei dem, der empfängt. Es bereiten sich Ahnungen vor…

  14. 1926-01-01 · Heft 3 · page 68

    mentanen Affiziertheit folgt — diese kajoliert wird —, sich seine eigentliche Spontaneität leicht entdeckt, eben die, durch die die Handlung fruchtbar ist. Im mechanischen Gehorchen wird die Spontaneität des Kindes unterdrückt, hier aber ka…

  15. 1926-01-01 · Heft 3 · page 69

    VIKTOR VON WEIZSÄCKER DIE SCHMERZEN Stücke einer medizinischen Anthropologie1) Urszene Wenn die kleine Schwester den kleinen Bruder in Schmer…

  16. 1926-01-01 · Heft 3 · page 70

    eine unvergleichbare, ganz in sich beruhende; sie hat freilich unzählige Voraussetzungen, ohne die sie nie zustande käme; aber noch in viel höherem Grade ist sie selbst Voraussetzung dafür, daß jemand überhaupt helfen kann. Es ist ein ungeh…

  17. 1926-01-01 · Heft 3 · page 71

    Schmerzes. Ist Arzt-sein auch noch Unzählbares dazu, so ist es doch immer diese Hinwendung, die anders ist als die zum marmornen Bildwerke des Laokoon; diese kann ruhiges Schauen sein, vor dem lebenden Schmerz müssen die abstoßenden Kräfte …

  18. 1926-01-01 · Heft 3 · page 72

    Geisterfahrung „Ich habe Schmerzen". Was ist das? Den, der so spricht - kann man ihn eigentlich verstehen? Kann man das Schmerzenhaben verstehen? Die Aktualität ist eigentlich immer unverständlich. Man kann erinnern, vorvorstellen, wie es t…

  19. 1926-01-01 · Heft 3 · page 73

    Nochmals also: kann man ihn, den gestaltlosen, geistlosen, unvernünftigen, den eigentlich nicht zu verstehenden, nicht zu erkennenden, gar nicht fassen? wo nicht begreifen, so doch ergTeifen? Nicht ergreifen, aber von ihm ergriffen werden. …

  20. 1926-01-01 · Heft 3 · page 74

    uns, zu einem Punkt an uns, einem Stück von uns, Ist er, der Schmerz, ein Ich-Zustand oder ein Es-Zustand? Gehört er mir oder der Umwelt? Bezeichnet er mich oder ein Nicht-Ich? Sicher gehört er nicht einem Außending an wie die Farbe, die Fo…