Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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nur lesen wollen in Verantwortlichkeit für die Welt: die Frage, ob nicht der Dichter der andere Prophet, berufen, nicht das Was - das Wie des Sagens zu verwalten? - die Forderung: daß jeder so Dichter sein solle! Was zu verstehen ist vor allem von dem Respekt, der dem sich neusprechenden Worte gebührt, dem sich mächtigenden, schriftprägigen. Und von dem mittelbaren Dienst der Ehrfurcht, daß, wessen Geist nicht selb diese Hirn-Gebär-Arbeit tun kann, doch sein Herz als Jünger erschließe und seiner Hände Arbeit und Lohn zum Opfer dargebe, damit Wort-Priester können wieder ganz diesem Altar-Dienst leben. Damit es wieder Geistliche auf Erden gibt - für Pfaffen und Intellektuelle. Die freilich müssen die Armut erwählen und auch den eignen Handdienst nicht verschmähn, um nicht als Schmarotzer auf den Geist-Ärmeren zu wuchern. Aber die Armut, nicht die Armseligkeit: adlig und reich an Ausdruck des Geists. Hier wäre allerlei anzuführen aus der Stellung, die das Judentum seinen Schriftgelehrten gegeben, auf der großenteils seine geistige Macht ruht. Und auf Entsprechendes bei Brahmanen, Chinesen, den Priesterschaften der Antike Vorderasiens und Europas und ihren Philosophen-Schulen. Aber das würde zu lang. Wenn unsere Deute Shakespeares auch ihre Anwendung fordert, so fordert diese auch wieder ihren besonderen Ort. Um dem Gewissen aber Genüge zu tun, daß ich nicht hier einer Gelegenheit, praktisch zu reden, auswiche, sei dreierlei noch bündig hingestellt: Erstens: Einzig-allein der Schrift-Worter ist Autorität; in ihm einigt sich Geist und Tradition, Einzigkeit und Allgemeinheit. Alle unwortende oder altwortende Autorität ist solche der Einbildung oder des Zwangs. Ob sie auch mit den Namen: königlich, gesetzlich, sich schmückt: Alt- Namen in ihrem Munde, nicht neu wahr geboren. Sodann: Welch Säkulum mehr als grad dies den Worter so verachtende der Tat ist Beweis für die furchtbare Gewalt des Wortes? Furchtbar, weil es die des verunsauberten, undurchforschten, unerneuten Worts war, der es unterlegen. Dem Wort ~ ich wiederhole - der Halbwegigkeit. Das zum Ziel nicht will führen. Am liebsten gar hätte diese verstockte Epoche ihre Abkehr wortlos in Schweigen gehüllt, ihr rohes Macht-Handeln geiststickend verhüllt: in den stummen Macht-Schwällen von Heeren, Massen, Maschinen; oder auch in ihrem wortfeindlichen, wort-verschlingenden Gebrüll. Neben dem nur Gewäsch-Wort Kurs gehabt hätte. Aber gerade 286