Mannheim
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  1. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 23

    23 Juden hätten in die tiefste Versunkenheit gerathen müssen, wenn sie nicht fähig gewesen wären, sich wenigstens theilweise innerlich frei zu machen und, im Bewußtsein, daß sie um höherer Güter willen die äußere Knechtschaft erduldeten, si…

  2. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 24

    24 am wenigsten die des jüdischen, dessen Geschichte mit ihren großartigen Erinnerungen in die ältesten Zeiten hinausreicht und das auf seinem leidensvollen Gange durch die Welt so Manches von der Cultur anderer Völker in sich ausgenommen h…

  3. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 25

    35 so hing doch ihr Ansehen weniger vom Amte als von der Kenntniß ab und bestand kein eigentlicher Unterschied zwischen Geistlichen und Laien. Der Jude, der bereitwillig sich dem strengen Religionsgebote unterwarf, der auch das gelbe Zeiche…

  4. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 26

    26 berechtigt waren; aber diese fanden überall, wo Juden wohnten, eine gastliche Aufnahme. Die Wenigen, die ein völlig ehrloses Leben ftihrten und sich damit von der Gesammtheit lostrennten, gehörten meist jener Classe an. Sie allein waren …

  5. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 27

    27 durfte es nur eines Hellen Lichtstrahls von Außen, da brauchten nur die hemmenden Fesseln einigermaßen gelockert zu werden und das dämmernde Bewußtsein des Menschen ging in den Seelen ans und die verborgenen Kräfte regten sich wieder. Sc…

  6. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 28

    28 war, wurde er doch gewiß allgemein geachtet. In der Liebe zu seinem Kinde, das besondere Geistesanlagen zeigte, glaubte er die Wißbegierde desselben so frühzeitig als möglich befriedigen zu müssen. Daß dadurch die körperliche Entwickelun…

  7. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 29

    29 trug dazu — neben dem Bewußtsein der eignen Kraft — gewiß auch jene in die jugendliche Seele wie ein höherer Ruf eingedrungene Erinnerung bei, die mit der Verehrung für feinen Vater Zusammenstoß. Bald hatte der Knabe die nöthigen Vorkenn…

  8. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 30

    30 Er schrieb auch einen verhältnißmäßig bessern hebräischen Stil als die meisten damaligen Talmudgelehrten, besaß wohl auch eine genauere Kenntniß der ausgezeichneten hebräischen Werke aus der spanisch-arabischen Zeit, gab sie vielleicht g…

  9. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 31

    … viele jüdische Denker — Spinoza nicht ausgenommen — geistig frei gemacht hat, kam auch in den Gesichtskreis des jungen Moses Mendelssohn, und sein von einem unwiderstehlichen Wahrheitstriebe bewegter Geist vertiefte sich so unablässig in dasselbe, forschte…

  10. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 32

    32 Altersgenossen, die mit dem Packe auf dem Rücken von Haus zu Haus ziehen mußten, um nothdürftig das Dasein zu fristen. Diese führten doch eine Lebensweise, die man immerhin noch eine naturgenräße nennen konnte, und erwarben sich durch ei…

  11. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 33

    33 sorgen und nur durch sein Verlangen nach höherer geistiger Ausbildung sich davon abhalten lasse. Mehrere Jahre hindurch hatte er mit Noth und Entbehrungen zu kämpfen. Im spätern Alter erzählte er gerne, daß er sich öfters ein Brod, das e…

  12. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 34

    …n Speculationen und tauschte seine kühnen Ideen mit ihnl aus. Das ganze Gebiet der neueren Philosophie, soweit sie über Maimonides und seine Zeit hinausgegangen war, blieb dem jugendlichen Denker vorerst unbekannt und mußte erst zufällig von ihn: ent…

  13. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 35

    35 das er nicht verstand (und das waren die meisten) im Lexicon nach, und schrieb es auf, bis ein paar Perioden da waren. Alsdann dachte er über den Inhalt nach. Durch Nachdenken suchte er den Verstand zu errathen; und wenn er ihn gefunden …

  14. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 36

    — 36 Familie war auch über seinen künftigen bürgerlichen Beruf entschieden. Den Gedanken an ein rabbinisches Amt hatte er längst ausgegeben. Wie dies damals gewöhnlich der Fall war, hatte er als Hauslehrer wohl auch zuweilen kaufmännische C…

  15. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 37

    37 sich großen Anstoß. Man ahnte, daß in diesen halb philosophischen, Halb poetischen Betrachtungen, die sich von dem rabbinischenSprachverderbnisse freihielten und die überhaupt von einem bessern Geschmacke zeugten, sich ein neuer Geist re…

  16. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 38

    38 Zuvor aber mußte er — es lautet beinahe unglaublich — zur Ausbildung eben dieser Sprache und zur Veredlung des Geschmackes in der deutschen Literatur beitragen und deutschen Schriftstellern ein Muster des klaren, faßlichen, bündigen und …

  17. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 39

    39 Leicht hätte er in den gewöhnlichen Fehler der Autodidakten, in Einseitigkeit, Weitschweifigkeit und Ueberschätzung der mühsam erlangten Einsicht verfallen können. Daß er nicht halbwahren, blendenden Ideen nachjagte, sondern sich eine mö…

  18. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 40

    40 „Die Pflicht, meine Meinungen und Handlungen zu prüfen, habe ich gar frühzeitig erkannt, und wenn ich von früher Jugend an meine Ruh- und Erholungsstunden der Weltweisheit und den schönen Wissenschaften gewidmet habe, so ist es einzig un…

  19. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 41

    41 thümlichkeü eben in dieser allseitigen Anerkennung und Aufnahme des Menschlichen besteht.-Erst nachdem sie diese ihre schönste Blüthe getrieben hatte, konnte die Frucht reifen, konnte eine nationale und vaterländische Richtung in der eng…

  20. 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 42

    42 Naturell und seinem Bildungsgänge nach zum abstracten Denken geneigt, schätzte er die Dinge rein nach ihrer sittlichen Bedeutung und hatte er sich die allgemeinen Ergebnisse der Erfahrung vorweg angeeignet. Anders der geniale Freund, der…