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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 23

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 23 (sequence 29)
Language
German
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IRI
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23 Juden hätten in die tiefste Versunkenheit gerathen müssen, wenn sie nicht fähig gewesen wären, sich wenigstens theilweise innerlich frei zu machen und, im Bewußtsein, daß sie um höherer Güter willen die äußere Knechtschaft erduldeten, sich über dieselbe zu erheben. Dieses aber war die Wirkung ihrer Leiden. Das natürliche Wachsthum, die fröhliche Entwickelung konnte verkümmert werden, doch die innern Lebenskräfte wurden nicht zerstört, sondern nur zurückgedrängt. Sie wandten sich, da der natürliche Lauf gehemmt war, mehr den verborgenen Wurzeln zu, es entstanden allerlei Verkrümmungen und bildeten sich manche Auswüchse; aber das Herz des Stammes blieb immer noch gesund. Je mehr das Selbstgefühl niedergebeugt, je mehr die freie Bewegung beengt wurde, desto mehr zogen sich die Juden in sich selbst zurück. War die Theilnahme an allgemeinen bürgerlichen Interessen versagt, so mußte das religiöse Leben um so inniger sein. In der Außenwelt von Schmach und Verfolgung bedroht, schlossen sich die Glieder der Familie um so enger aneinander, opferten sie um so williger Alles für das einzige Glück, das ihnen vergönnt war, und diese Familie umfaßte nicht blos die Angehörigen eines und desselben Hauses, sondern jeder Leidensgenosse hatte Anspruch auf Schutz und Hilfe. Entbehrung und Entsagung war — abgesehen von dem Religionsgesetze, das sie in tausend Fällen vorschrieb — schon von selbst geboten. lieber die Heiligkeit der Ehen, die Reinheit des Familienlebens wurde strenge gewacht. Die innere Gebundenheit, die vor eigentlicher Sittenverderbniß schützte, wurde durch die äußere verstärkt. Die vielen Drangsale erzeugten im Allgemeinen einen desto mildern Sinn, das so oft verletzte Gefühl wurde um so mitleidiger. Wohlthätige Vereine, die ihren wahrhaft brüderlichen Beistand dem Armen, den: Heimath- und Obdachlosen, dem Kranken, dem Trauernden angedeihen ließen, bestanden von jeher in den jüdischen Gemeinden, oder diese bildeten, wenn eine besondere Gliederung nicht ftattfand, an sich schon solche Vereine. Die Mildthätigkeit wurde in einer Weise geübt, die sogar zum Mißbrauche führte. Aus den uralten Quellen der eigenthümlichen Bildung wurde unt so eifriger geschöpft, da alle andern verschlossen waren. Man darf aber die Erbbildung eines Volkes, wie einseitig und beschränkt sie auch sein möge, in ihrem Werthe nicht unterschätzen,

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