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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 30

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 30 (sequence 36)
Language
German
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30 Er schrieb auch einen verhältnißmäßig bessern hebräischen Stil als die meisten damaligen Talmudgelehrten, besaß wohl auch eine genauere Kenntniß der ausgezeichneten hebräischen Werke aus der spanisch-arabischen Zeit, gab sie vielleicht gar seinen bessern Schülern in die Hand und war keineswegs ein Feind der sog. weltlichen Wissenschaften, die bei den Juden allgemein als ketzerisch verpönt waren. In der That muß schon frühzeitig ein persönlicher Einfluß auf Mendelssohn stattgefunden haben, durch den der Geist der bessern jüdischen Culturepoche irgendwie auf ihn einwirkte*). Er wurde frühe mit den Regeln der hebräischen Grammatik bekannt, verfaßte schon als zehnjähriger Knabe hebräische Gedichte, die er aber in reifern Jahren wieder vernichtete, uub studirte den größten Theil der Bibel, von der meist nur der Pentateuch in den Kreis des eigentlichen Unterrichts gezogen wurde, ohne besondere Anleitung eines Lehrers, und zwar mit solchem Fleiße, daß er sie später beinahe Wort für Wort auswendig wußte. Die Geschichte macht zwar oft scheinbare Rückschritte, stellt aber, bevor sie die Höhepunkte verläßt, ihre unvergänglichen Denkmale hin, die noch die Blicke der spätern Geschlechter aus sich ziehen und dann wieder, mitten aus der inzwischen eingetretenen Verfinsterung heraus, zur Leuchte werden auf der Bahn des neuen Fortschrittes. Ein solches Denkmal auf jüdischem Boden ist der „Führer der Verirrten" (More Rebuchim), das Werk jenes Moses (Maimonides) aus der Zeit des höchsten Aufschwunges, *) In dem allerdings höchst dürftigen Berichte über seine Lebensumstände, den wir von Mendelssohn selbst besitzen (V, 526), bemerkt er blos, daß er bei Frankel den Talmud studirt habe. Nicolai scheint Mendelssohns Bekanntschaft mit dem oben erwähnten Werke des Maimonides in die spätere Zeit zu versetzen (M. Schr. V, 206). In der hebräischen Biographie Mendelssohns (v. Isaak Euchel) heißt es, das Buch sei ihm in früher Jugend zufällig in die Hand gekommen. Wie es sich hiermit verhält, bedarf noch einer genauern Untersuchung. Wir folgen vorläufig der Angabe der Biographen, obschon es uns ganz sagenhaft vorkommt, wenn berichtet wird, der ausgezeichnete Denker habe sich schon als Knabe so eifrig mit dem Studium jenes philosophischen Werkes beschäftigt, daß er sich dadurch eine Krankheit zuzog, deren Folge die körperliche Verunstaltung war. Die oben angeführte Aeußcrung Mendelssohns (hebr. Biographie S. 7) bezog sich ursprünglich vielleicht aus das Studium in seinem Jünglingsalter, so daß er dabei nur an seine körperliche Schwäche überhaupt, nicht aber an die Verkrümmung gedacht hätte.

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