Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 41)
- Language
- German
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35 das er nicht verstand (und das waren die meisten) im Lexicon nach, und schrieb es auf, bis ein paar Perioden da waren. Alsdann dachte er über den Inhalt nach. Durch Nachdenken suchte er den Verstand zu errathen; und wenn er ihn gefunden zu haben glaubte, verglich er ihn wieder, soweit seine Kenntniß der Sprache reichte, mit dem Wortverstande". (Mendelssohns Schriften V, 206.) Unter den Juden in Berlin Zeigten sich damals schon die ersten Spuren des erwachenden neuen Lebens. Am meisten trug hiezu Dr. Gumperz bei, der sich durch unermüdliches Streben viele wissenschaftliche Kenntnisse angeeiguet hatte und mit den angesehensten dortigen Gelehrten und Schriftstellern, besonders auch mit Maupertuis und dem Marquis d'Argens, welchen beiden er eine Zeit lang als Secretär diente, in Verbindung stand*). Durch seinen Umgang gewann Mendelssohn, wie er sich selbst ausdrückte, „Geschmack an den Wissenschaften". Dr. Gumperz machte ihn mit der Leibnitz-Wolffischen Philosophie bekannt und gab ihm die erste Anleitung zur Erlernung der französischen und der englischen Sprache. Auch führte er ihn zuerst in außerjüdische Kreise ein. So besonders lernte Mendelssohn durch ihn im Jahre 1748 mehrere befähigte junge Leute am Joachimsthal'schen Gymnasium kennen und nahm Antheil an ihren regelmäßigen Zusammenkünften, in denen über philosophische Gegenstände verhandelt wurde. Seine Bekanntschaft mit Lessing wurde später ebenfalls durch Dr. Gumperz vermittelt, der ihn demselben als guten Schachspieler empfahl. Nach siebenjährigen Entbehrungen kam endlich eine bessere Zeit für Mendelssohn. Im Jahre 1750 trat er als Lehrer in das Haus des Seidenfabrikanten Isaak Bernhard, der bereits darauf bedacht war, seinen Kindern eine bessere als die herkömmliche Erziehung geben zu lassen. Der schwere Druck der Armuth war von ihm genommen, und jetzt, in seinem einundzwauzigsten Jahre konnte er sich auch die Hilfsmittel verschaffen, um die Lücken seines Wissens auszufüllen. Mit dem Eintritte in eine *) Am 8. März 1745, also 2 Jahre nachdem Mendelssohn nach Berlin gekommen war, schrieb der damals zwanzigjährige junge Mann an Gottsched und bat ihn um seinen Schutz. 3*