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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 29

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 29 (sequence 35)
Language
German
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29 trug dazu — neben dem Bewußtsein der eignen Kraft — gewiß auch jene in die jugendliche Seele wie ein höherer Ruf eingedrungene Erinnerung bei, die mit der Verehrung für feinen Vater Zusammenstoß. Bald hatte der Knabe die nöthigen Vorkenntniffe im Hebräischen, besonders in: Verständnisse des Pentateuchs erlangt und sollte nun den höhern Unterricht empfangen, der mit einem rabbinischen Pentateuch-Commentar begann und dann zum Talmud fortschritt. Es ist ein rührendes Bild, wenn wir hören, wie der zärtliche Vater sein schwächliches Kind in der kalten Winterszeit schon vor Tagesanbruch auf den Arm nahm, es unter seinem alten Mantel barg und so, möglichst behütet, in das „Lehrhaus" trug. Hier athmet Alles nur hingebende Liebe und Aufopferung. Da das Gebiet des Talmuds längst hinreichend bearbeitet war, hatte sich, um dem Studium desselben neues Leben einzuhauchen, in der tonangebenden polnischen Schule eine Methode gebildet, welche die frühere Scholastik in's Ungeheuerliche trieb. Der junge Mendelssohn fand einen Lehrer, der die einfachere ältere Methode befolgte*), und blieb dadurch vor jener Geistesverrenküng bewahrt, welche die gewöhnliche Folge eines gekünstelten Witzes und verzerrten Scharfsinnes sein mußte. David Hirschel Fränkel, der damalige Rabbiner zu Dessau, war ein in seinem Fache berühmter Gelehrter, der eine — im Verhältnisse zu seiner Zeit — bessere Richtung verfolgte. Er beschäftigte sich besonders eifrig auch mit dem ältern, damals meift vernachläßigten jerusalemischen Talmud und verfaßte über denselben einen Commentar, dessen erster Theil im Jahre 1743 gedruckt wurde **). Hatte er hiebei auch keine Ahnung von einer geschichtlich-kritischen Behandlung, wie sie von der jüdischen Theologie in unserer Zeit angebahnt wurde, so zeichnete sich doch seine Arbeit durch Kürze und Bündigkeit aus, wobei er sich den mustergiltigen Hauptcommentar über den babylonischen Talmud zum Vorbilde nahm***). *) Im 2. Vorworte zu seinem Commentare über den jerusalemischen Talmud findet sich eine Stelle, die mit einem Seitenblicke aus jene verkehrte Methode geschrieben ist. **) Mendelssohn erwähnte diesen Commentar rühmend im 122. Literaturbriefe. ***) Er selbst bemerkt dieses a. a. O.

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