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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 28

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 28 (sequence 34)
Language
German
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28 war, wurde er doch gewiß allgemein geachtet. In der Liebe zu seinem Kinde, das besondere Geistesanlagen zeigte, glaubte er die Wißbegierde desselben so frühzeitig als möglich befriedigen zu müssen. Daß dadurch die körperliche Entwickelung des an sich schwächlichen Knaben gehemmt und der Keim fortdauernder Kränklichkeit in ihm gelegt wurde, bedachte er um so weniger, als man mit einem derartigen unverständigen Eifer eine religiöse Pflicht zu üben meinte, deren Erfüllung doch keine nachtheiligen Folgen haben könne. Der Name eines Vorfahren, der sich wahrscheinlich auf den Knaben vererbt hatte, mochte dabei in der oben bezeichneten Weise mit einwirken. Dieser stammte nämlich (wir wißen nicht, ob von väterlicher oder von mütterlicher Seite) von einem berühmten Rabbiner aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ab, der in allen religionsgesetzlichen Fragen als die letzte und entscheidende Autorität betrachtet wurde*), und der ganze Ehrgeiz des Vaters war wohl dahin gerichtet, den jungen Moses, den er auch für geistesverwandt halten mochte, zu einem des großen Ahnen würdigen Manne zu erziehen. Noch in seinem 41. Jahre erwähnte Mendelssohn in einem Briefe an einen Verwandten dieser Familientradition nüt einem gewissen Stolze. Wenn wir ihn frühe, trotz aller Schüchternheit, mit starkem Selbstgefühle auftreten sehen, wenn er den Muth und die Ausdauer hatte, unter den größten Entbehrungen seinen Weg zu verfolgen und alle entgegenstehenden Schwierigkeiten zu überwinden, so deutschen Schrift voraussetzen. Das Schreiben der Gesetzesrollen und anderer ritualmäßiger Schriftstücke erfordert eine genaue Beobachtung einzelner Vorschriften, die zwar mit der hebräischen Grammatik nichts gemein haben, aber doch allenfalls die Aufmerksamkeit auf dieselbe lenken konnten. Hätte der junge Mendelssohn schon durch seinen Vater einige grammatikalische Kenntnisse erlangt, so wäre dieses ein sehr glücklicher Umstand für ihn gewesen. Die Reform des Judenthums mußte bekanntlich in späterer Zeit — und zwar eben durch Mendelssohn und seine Schule — besonders auch damit begonnen werden, daß man das Hebräische wieder mehr grammatikalisch unterrichtete und, dem einseitigen und allzu frühzeitigen Talmudstudium gegenüber, mehr auf die Kenntniß und richtige Auffassung der Bibel drang. Ebenso war es ein wichtiges Culturelement, daß man sich wieder im neuhebräischen Stil übte und dadurch den Geschmack bildete. *) Diese Abstammung hat Geiger (Jüd. Ztschr. I, 145s aus einem Briefe Mendelssohns (Kayserling a. a. O. S. 493.) nachgewiesen.

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