Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 32 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9643687-7658552--37-7658587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

32 Altersgenossen, die mit dem Packe auf dem Rücken von Haus zu Haus ziehen mußten, um nothdürftig das Dasein zu fristen. Diese führten doch eine Lebensweise, die man immerhin noch eine naturgenräße nennen konnte, und erwarben sich durch eigene Thätigkeit die Mittel zu ihren: Unterhalte, wo nicht auch zu dem ihrer Familie, mit der sie in unmittelbarem Zusammenhänge blieben. Jene hingegen nmßten sich in der Regel glücklich fühlen, wenn sie in irgend einer Dachkammer ihr Nachtlager, in den Häusern einzelner Neichen, je für bestimmte Tage einen Freitisch gefunden hatten, und waren meist in die enge Lehrstube zusamnwngepreßt, wo sie zuweilen Nächte durchwachten und dann um so eher in dumpfes Hinbrüten versinken mochten. Man ehrte sie aber um ihres Studiums willen, obwohl sie von Almosen lebten, und die sittliche Verwahrlosung war bei ihnen eine seltene Ausnahme. Nur Wenige freilich gelangten zu der erstrebten Befähigung für das rabbinische Amt, was hauptsächlich in der inangelhaften Anleitung seinen Grund hatte; Andere blieben aus halbem Wege stehen und wurden dann Elementarlehrer, während Viele sich später dem Handel zuwendeten und Einzelne ihr Lebensziel ganz verfehlten. Die Männer, die einen Theil ihrer Jugendzeit in diesen sogenannten Schulen verlebten, aber dann, als sie von der unabweisbaren Einwirkung des Zeitgeistes ergriffen wurden, sich von ihnen abwandten und sich entweder einem wissenschaftlichen Berufe oder der praktischen Geschüflslhätigkeit widineten, haben sich im Allgemeinen als tüchtig bewährt. Sie gerade waren es, welche mit Begeisterung und mit erstaunlichen Erfolgen für die bessere Jugenderziehung, wie überhaupt für die Aufklärung ihrer Glaubensgenossen und die Beseitigung des äußere:: und inneren Druckes wirkten. Auf Verwendung seines Lehrers, der sich einen Theil seines Werkes von ihm abschreiben ließ und ihm einige Groschen wöchentlich dafür bezahlte, fand der junge Moses ein Unterkommen in dem Dachstübchen eines wohlthätigen Mannes. Er speiste auch einige Mal in der Woche an dessen Tisch und wurde außerdem durch Fränkel unterstützt. In seiner Schüchternheit darbte er lieber, als daß er sich persönlich um Unterstützung beworben hätte, auf die er auch keinen Anspruch zu haben meinte, da er ja, wie er sagte, verpflichtet sei, durch Arbeit für seinen Unterhalt zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.