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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 41

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 41 (sequence 47)
Language
German
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41 thümlichkeü eben in dieser allseitigen Anerkennung und Aufnahme des Menschlichen besteht.-Erst nachdem sie diese ihre schönste Blüthe getrieben hatte, konnte die Frucht reifen, konnte eine nationale und vaterländische Richtung in der engern Bedeutung des Wortes hervortreten. Es war eine eigenthümliche Erscheinung der Zeit, daß Gleichstrebende sich in dem geheiligten Bunde der Freundschaft vereinigten. Die Männer, die das neue deutsche Geistesleben erweckten, entbehrten jeder äußern Stütze und waren daher unl so mehr daraus hingewiesen, sich gegenseitig zu halten und anzuregen. Alles beruhte zuletzt auf dem Persönlichen, und diejenigen, die sich an die Spitze stellten, trachteten um so mehr nach sittlicher Würdigkeit, je mehr sie sich ihrer Aufgabe bewußt waren. Es sollte gezeigt werden, daß freies Denken und Frivolität wohl zu unterscheiden wären. Der leichtfertigen und oberflächlichen französischen Richtung sollte der deutsche Ernst und die deutsche Gründlichkeit entgegentreten. Lessing, der ein Feind jeder Ausschließlichkeit war, ging seinen eigenen Weg, förderte aber Jeden, dessen Streben achtungswerth erschien. Als ihm der schüchterne Moses begegnete, der bisher auf einsamen Pfaden einhergegangen war und dennoch selbstbewußt seinem Ziele nachstrebte, ermunterte er ihn und wurde ihm ein Freund und Führer. Dieser einfache Act der Humanität belohnte sich durch die großartigsten Folgen. Man betrachtet Lessing und Mendelssohn gewöhnlich als Altersgenossen und meint, daß sie sich deshalb um so leichter an einander anschließen mochten. Obschon aber Lessing sogar um mehrere Monate älter war, so war und blieb er doch dem Manne gegenüber, der die verlorene Jugend nachzuholen hatte, weitaus der Jüngere, und es läßt sich nicht denken, daß sie mit einander verkehrten, wie sonst junge Männer mit einander zu verkehren pflegen, schon um des jüdischen Ceremonialgesetzes willen, das Mendelssohn mit größter Strenge beobachtete. An Entsagung und Entbehrung gewöhnt, machte dieser nur höchst mäßige Ansprüche, an das Leben. Wie sehr auch Lessing sich in der Welt umgesehen hatte, so war doch Mendelssohn, der kaum angefangen hatte, sie kennen zu lernen, in einem gewissen Sinne viel reifer und erfahrener. Von einer tiefernsten Grundanschauung ausgehend, die auf die höchsten Zwecke des Daseins gerichtet war, feinem ganzen

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