Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1867
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9643687-7658552--36-7658586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
den die von der aristotelisch-arabischen Philosophie genährte Wissenschaft des Judenthums genommen hatte. Dieses Buch, das so viele jüdische Denker — Spinoza nicht ausgenommen — geistig frei gemacht hat, kam auch in den Gesichtskreis des jungen Moses Mendelssohn, und sein von einem unwiderstehlichen Wahrheitstriebe bewegter Geist vertiefte sich so unablässig in dasselbe, forschte so begierig in dem vorher ungeahnten Gebiete der Erkenntniß, daß er dadurch in eine schwere Krankheit verfiel und dauernden Schaden an seinem Körper litt. Er selbst äußerte in späteren Jahren oft scherzhaft, er sei Maimonides zum größten Danke verpflichtet; wenn dieser auch die unschuldige Ursache seiner körperlichen Entstellung geworden sei, so habe er doch auf seinen Geist desto wohlthätiger gewirkt. Lessing kennt Jeder, der seine Schriften gelesen hat; er spricht vollkommen deutlich zu uns durch jeden Zug seiner Individualität, so zu sagen, durch jede Zeile, die er geschrieben hat. Um Mendelssohn zu verstehen und zu würdigen, muß man das Judenthum und seine Geschichte kennen. Im Jahre 1743 wurde Fränkel als Rabbiner nach Berlin berufen. Dadurch fügte es sich, daß auch Mendelssohn in die Stadt kam, wo er sich die allgemeine Bildung aneignen und dann sein ganzes Leben hindurch wirken sollte. Er weigerte sich entschieden, sich dem entehrenden Hausirhandel zu widmen, und der anfangs widerstrebende Vater gab seinen dringenden Bitten nach und willigte ein, daß der schwächliche und verwachsene Knabe, der noch der körperlichen Pflege bedurft hätte, das elterliche Haus verließ, um den geliebten, schmerzlich vermißten Lehrer aufzusuchen und unter dessen Leitung sein Studium fortzusetzen. Noch in demselben Jahre, in welchem Fränkel seine neue Stellung angetreten hatte, wanderte der nun vierzehnjährige Moses nach Berlin. Es war dies eigentlich der Abgang auf eine jüdische Hochschule. Meist ganz mittellos und nur auf die Wohlthätigkeit ihrer Glaubensgenossen hingewiesen, ohne Anleitung und eigentliche Führung in Allem, was nicht die rabbinischen Schriften betraf, verbrachten Knaben und Jünglinge die schönste Zeit ihres Lebens an den Orten, wo berühmte Lehrer ihren Sitz aufgeschlagen halten. Ihr Loos war in seiner Art nicht besser als das ihrer