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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 36

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 36 (sequence 42)
Language
German
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IRI
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— 36 Familie war auch über seinen künftigen bürgerlichen Beruf entschieden. Den Gedanken an ein rabbinisches Amt hatte er längst ausgegeben. Wie dies damals gewöhnlich der Fall war, hatte er als Hauslehrer wohl auch zuweilen kaufmännische Correspondenzen u. dgl. zu besorgen, und zu Anfänge des Jahres 1754 übernahm er bei Bernhard die Stelle eines Buchhalters. Er erlangte bald eine mehr unabhängige Stellung in dem Geschäfte und war dann bis an das Ende seines Lebens als Factor und Disponent desselben thätig. Er widmete sich dem einzigen Stande, den er wählen konnte, entsagte aber damit keineswegs der Wissenschaft, sondern suchte nur sich den Ruhepunkt zu sichern, der ihm die Beschäftigung mit derselben gestatte. Es ist bedeutsam, daß in Lessing und Mendelssohn sich zwei Männer begegneten, die beide von Jugend auf in der Theologie ihrer Religion herangewachsen waren und mit ihr genährt wurden. Ihr Einfluß wurde nur so größer, da sie die Gränzen derselben überschritten, ohne sie von Grund aus zu verneinen. Lessing, in dem eine Hinneigung zur Theologie immer von Neuem erwachte, hätte auf dem religiösen Gebiete keine tiefere Wirkung üben können, wenn er sich nicht durch seine gründlichen theologischen Kenntnisse die Achtung seiner Gegner erzwungen hätte. Noch weniger hätte Mendelssohn, so warm auch die Liebe zu seiner Religion in ihm war, auf die Juden wirken können, wenn ihm nicht die talmudische Gelehrsamkeit zu Gebote gestanden hätte. Wer diese nicht geltend machen konnte und es dennoch wagte, in religiösen Fragen eine Ansicht zu äußern, wurde als „Idiot" abgewiesen. Mendelssohn versuchte sich als Schriftsteller zuerst in der hebräischen Sprache und hatte dabei nur die Bildung seiner Glaubensgenossen im Auge. In demselben Jahre, wo durch seinen Eintritt bei Bernhard sich seine äußeren Verhältnisse verbesserten, unternahm er es, gemeinschaftlich mit einem Freunde eine hebräische Wochenschrift*) herauszugeben. So unverfänglich aber auch der Inhalt war, so erregte doch schon das Unternehmen an und für *) Koheleth Musar (Sittenprediger). Die Blätter wurden später in der ähnlichen Zeitschrift, die unter dem Namen: „der Sammler" von Schülern und Freunden Mendelssohns herausgegeben wurde, wieder abgedruckt.

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