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Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde · 1867-01-01 · 1867 · p. Seite 38

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Journal
Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
Volume
1867
Date
1867-01-01
Page
Seite 38 (sequence 44)
Language
German
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38 Zuvor aber mußte er — es lautet beinahe unglaublich — zur Ausbildung eben dieser Sprache und zur Veredlung des Geschmackes in der deutschen Literatur beitragen und deutschen Schriftstellern ein Muster des klaren, faßlichen, bündigen und zugleich anmuthigen Ausdrucks, ein Beispiel kunstmäßiger Darstellung schwieriger philosophischer Gegenstände geben. „Mendelssohn, Garve, traten auf und erregten allgemeine Theilnahme und Bewunderung." Mit diesen Worten bezeichnet Göthe (W. XXI, 76) die Wirkung, welche die in seinen Jugendjahren erschienenen, in besserer Sprache geschriebenen philosophischen Schriften hervorbrachten. Wie aber dem jüdischen Weltweisen geschichtlich der Vorrang vor dem jüngern Garve gebührt, so galt die Bewunderung, die er durch seine Schriften hervorrief, zugleich seiner Persönlichkeit. Je mehr dann sein Ruhm sich ausbreitete, desto mehr schwand in gebildeten Kreisen das Vorurtheil gegen die Juden, desto mehr wurden die Juden angeeifert, gleich ihm aus der bisherigen Beschränktheit herauszutreten. Lessing zeichnete sich durch seine äußerst bestimmt ausgesprochene Eigenart aus; Mendelssohn erreichte eine hervorragende Stellung durch seinen ungewöhnlichen Bildungstrieb und seine bewunderungswürdige Aneignungsfähigkeit. Planmäßig unterrichtet, sagte sich Lessing von der herkömmlichen Methode los, verschmähte aber die Regel nicht, sondern forschte nach der neuen und bessern. Mendelssohn, der sich ohne alle methodische Anleitung gebildet hatte, brachte ihm eine verwandte Stimmung entgegen. Er kam aus einem ftemden Kreise der Anschauung; die allgemeine Wissenschaft, das Leben der größern Welt, Alles war ihm neu. Lessing und Mendelssohn begegneten sich als Suchende. Dieser aber war schon an sich mehr zu einem systematischen Verfahren geneigt und hatte dasselbe in seiner Jugend so schmerzlich vermißt, daß er jetzt mit aller Kraft bestrebt sein mußte, das Versäumte möglichst nachzuholen. „Ich bin" — äußerte er in späteren Jahren — „nie auf einer Universität gewesen, habe auch in meinem Leben kein Collegium lesen hören. Dieses war eine der größten Schwierigkeiten, die ich übernommen hatte, indem ich alles durch Anstrengung und eigenen Fleiß erzwingen mußte." (V, 526.) Mendelssohn war Autodidakt. Eine neue Wissenschaft, eine neue Erkenntniß wirkte aus ihn wie ein großes Raturereigniß.

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